Dann kam ein Zittern in die willenlose Masse.
Ein tiefes, ausholendes Atmen.
Das Platzen eines Kessels.
Die Front der Berittenen im Nu zerrissen.
Der Elan der letzten Wut zerstob die Mandschus. In einer unduldsamen Bewegung schleuderten sich die Rebellen hinter die brennenden Speicher durch die beiden verlassenen Osttore Tong-chi und Tschi-hoa, aus der Tatarenstadt heraus, aus Pe-king heraus.
Ein Flug trug sie in die stumme nachtkühle Ebene, legte sie vor die kleinen Dörfer.
Pechschwarz die Purpurstadt. Khien-lung seufzte am Fenster seines Palastes, eine trübe Öllampe auf dem schmalen Tischchen neben sich. Sein Loblied auf Mukden hielt er noch in der Hand. Kia-king betete, hingeworfen vor einer niedrigen Kung-fu-tse-statue auf einem Bronzesockel. Der Kaiser beobachtete ihn eisig. Als sich der Prinz erhob, klatschte der spöttische Greis in die Hände, flüsterte den Eunuchen etwas zu. Kia-king sah auf zwei Holzschüsseln die Köpfe der beiden verräterischen Wachoffiziere.
Die schwarzen Fahnen der Weißen Wasserlilie und der Wahrhaft Schwachen wehten nordwärts und ostwärts. Das Versagen der rebellischen kaiserlichen Regimenter war bald aufgeklärt. Khien-lung hatte, unterrichtet, die verdächtigen höheren Offiziere am vorangehenden Abend festnehmen und in der Roten Stadt einsperren lassen. In dem nördlichen Bezirk, der dem Angriff ausgesetzt war, untergebracht, waren sie sämtlich während der Schlacht befreit worden, fünf gefallen, vier andere, darunter die Gelbe Glocke, von der Flucht mit fortgerissen. Die eingeschüchterten rebellischen Truppen hatten in der Nacht ihre Kameraden angegriffen und besiegt. Die beiden so kunstreich gewonnenen Wachoffiziere waren, wie es schien, von Khien-lung in kurzem Verfahren beseitigt worden.
Die drei Hauptführer, Wang-lun, Ngoh, die Gelbe Glocke, trafen rasch zusammen. Wang tobte gegen seine Truppen. Eine nicht kleine Zahl seiner Anhänger ließ er unterwegs enthaupten, weil sie erwiesenermaßen Panik verbreiteten. Die ganze Hitze seiner Wut war gerichtet auf die geschlagenen Truppen. Nur seinem steinernen Wesen war es zu verdanken, daß die Heere schon nach zwei Tagen in geschlossener Ordnung nach Nordosten, unmittelbar gegen den heranziehenden Chao-hoei sich richteten. Sechstausend Mann unter Ngoh blieben als Rückendeckung zurück. Man kam in Fühlung mit den irregulären Haufen, gewann sie zu planmäßigen Plünderungen und Überfällen.
Chao-hoei lehnte jede Unterstützung der Provinzialarmee ab. Auf die Nachricht von der Niederlage der Aufständischen in Pe-king peitschte er alle zurückbleibenden verfügbaren Mannschaften zusammen.