Unter dem Donnern und Leuchten des ersten Gewitters dieses Sommers, zehn Gluttage nach der Flucht aus Pe-king, trafen sich die Heere an den Hügeln von Ying-ping. Das Schnauben und mähnenschüttelnde Grunzen am Himmel, das Zähnefletschen, Schwanzschlagen, Augenrollen fand keine Beobachter auf der Hügelplatte. Aus schwarzer Luft hing an unsichtbarer Leine ein Riesengong über den Armeen, dessen Schläge hetzten. Zwei weiße Panther übersprangen sich. Die Ilisoldaten wanden sich in der Wollust des gesättigten Blutdurstes. Die Bündler ließen sich umklammern von ihren heißesten Feinden, zerkrachten ihnen das Rückgrat.
Chao-hoei schaukelte auf seinem Schimmel, oben auf dem Hügel. Wang-lun rollte seine Walze auf der Chaussee, mahlte sein Korn. Dann riß die Schwärze des Himmels auseinander, Hagelschlossen stürzten aus dem Schlitz, tanzten auf den Schädeln. Die Wahrhaft Schwachen kämpften in dem blendenden Gewühl des Unwetters mit eisiger Gelassenheit. Keine Wunde berührte sie. Es war gleich, ob sie starben oder lebten. Das Feuer der Ilisoldaten fraß sich nicht durch, fing an zu rauchen, zu flackern. Kein stürmischer Angriff erfolgte von den Rebellen: still, weniger drängend als von ungewollter Notwendigkeit gedrängt überwanden sie die Feinde.
Als Chao-hoei sich mit seinen zertrümmerten Soldaten wandte, hingen sich die Rebellen, gezogen, an seine Spuren. Beides Verfolgte. Liefen davon, ließen die zerbrochenen Menschen, Wagen mit Stieren, muskellose Schwerter und Beile, als wäre es Jauche.
Der geschlagene kaiserliche General ließ sich in der Stadt Schan-hai-kwang einschließen.
Die Gelbe Glocke und Wang-lun umritten den westlichen meerabgewandten Stadtteil.
Der rote Palast des Generals blitzte wie eine aufgestellte Hellebarde, südlich spreizte das graue Ehrentor die Beine; die Tafeln an seiner Stirn priesen Siege über alte Mongolenfürsten.
Man konnte von dem höher gelegenen Außengelände das schlammgelbe Meer liegen sehen, die weißen Segel der Dschunken schmeichelten sich über das Wasser. Die Stadt glitt ins Meer; sie überschüttete die Flußmündung und geschützte Küste mit Hausbooten; wäre nicht die meterbreite Mauer mit den Wachtürmen, diese steinharten, quetschenden Kiefern der Stadt, konnten die Rebellen die kaiserlichen Truppen in einem Anlauf ins Meer jagen.
Die Gelbe Glocke sah träumerisch die grauen Dächer, über die die schwachen Sonnenstrahlen spielten. Er erinnerte an die Nacht, in der der Vollmond schien, und sie am Rande eines Gehölzes vor einer zerfallenen Stadt standen. Das Blatt hatte sich gekehrt. Wie lange noch, würden diese Mauern ihr Schicksal erleben.
Wang betastete seinen Arm. Wenn es auf ihn ankäme, möchten sie die Stadt bald haben. Aber wie stark und kostbar waren die Brüder und Schwestern in der Mongolenstadt, wie stark waren sie!
„Weißt du, Gelbe Glocke, wie das Schicksal aussieht? Wie eine Leiche; sie läßt sich nicht ansprechen, nicht besänftigen, nicht erzürnen; du kannst nach ihrer Seele mit Tüchern wedeln in Gärten, auf dem Dache, vor der Tür, im Hof!