Als der General mit einem Blick auf die Visitenkarte die Lippen bewegte, den Mund öffnete, tonlos fragte, wer er sei, antwortete der Gast, die Visitenkarte sei zur Täuschung der Dienerschaft gegeben; er sei Wang-lun, ein Anführer der Belagerer; er werbe für einen der Mingprinzen, der den Thron besteigen solle; freilich, es handle sich um einen Chinesen; aber so niedrig achte kein Chinese die Mandschus, daß er nicht die wohlerzogenen Mandschutöchter zu rechtlichen Frauen werben möchte.

Der Mandarin, aufgesprungen, stürzte an das Gong, schrie: „Diener! Tai-tsung! Tai-tsung!“

Die Fremden erhoben sich im Tumult, als der Mandarin an ihnen vorbei ans Fenster stürzte; zwei deckten das Fenster; Chao-hoei ausgleitend, hinfallend, wurde von ihnen gehoben, unter Verneigungen, mit eisernen Händen an seinen Platz gedeichselt.

Wang lauschte an der Tür, am Fenster; im Nu stand er vor dem heftig stöhnenden General, dessen Augen entgeistert blickten. Der große Personalschein sei gebracht; die Werbung vorgetragen; den Schein der Braut zu bringen und das Glück und Unglück der acht Ehezeichen bestimmen zu lassen, läge dem General ob. Sie würden sich Antwort holen.

Der General schlug auf den Tisch, explodierte: „Verbrecher! Schurken!“ Vier hielten ihn, banden mit roter Schärpe Arme und Beine, legten ihn auf den dunklen Gang vor der Tür. Wang flüsterte: „Überlegen Sie, General. Wir kommen wieder.“ Und er malte mit dem breiten Tuschpinsel, den er von einem Wandregal nahm, auf den polierten Boden des Saals die drohenden Zeichen der Mingdynastie. Schon bestiegen zwei der Männer draußen im Hofe die Sänften; Gongs, „Platz“rufe; blitzrasch setzte der Zug den Magnolienhügel herunter, verschwand in einer Seitengasse.

Fünf Offiziere, die zum Mittag bei Chao-hoei eingeladen waren, fanden eine halbe Stunde später zwei Haussklaven im vordern Hof geknebelt im Schmutz. Das Väterchen, befreit, rannte heulend ins Haus; das Haus dröhnte vom Geschrei. Die Frauen kamen aus den Gemächern, als das Väterchen flennte. Der Schwarm suchte mit Angstrufen nach dem General, über den man stolperte. Im hellen Empfangssaal hielt Hai-tang seinen besudelten Kopf; er seufzte; man flößte ihm Wein ein; er betrachtete blaß die vielen, die sich um ihn drängten. Die Offiziere nahmen mit den Dienern die Spuren der Fremden auf; es dauerte Stunden, ehe man ermittelte, in welche Gasse der Zug verschwunden war. Die militärische Durchsuchung aller Häuser des Viertels ergab nichts Verdächtiges; die wenigen Bewohner der Gasse wurden sofort ausgepeitscht; das Ergebnis der Untersuchung, das am Abend Chao-hoei vorgetragen wurde, lautete: die Belagerer müssen in der Stadt viele Freunde haben. Da ein Eindringen der Rebellen von der Mauer aus unmöglich ist, müssen die Fremden vom Meere gekommen sein; die Polizei am Seezollamt ist zu verstärken; auf die befreundeten landenden Seeräuber und Schiffer, die Proviant bringen, ist ein wachsames Auge zu richten.

Man stöberte in der Stadt alle Keller, verfallenen Häuser nach Wang und seinen Begleitern auf. Chao-hoei ging im Zimmer der Hai-tang; er riß sich von ihr los: „Was bleibt, Hai-tang? Du bist so klug und verstehst nicht, was so klar ist. Ich bin zum Gespött der Stadt geworden, zum Gelächter der Feinde.“

„Deine Feinde sollen nur lachen, sie werden bald kreischen, wie sie in Pe-king gekreischt haben. Den teuren Lao-sü haben sie geschlagen, dich haben sie hingelegt, nach der feinen Nai wollen sie greifen. Die Seidenschnur gehört nicht dir, sondern den Stadtbehörden, dem Präfekten Tang-schao-i und den andern. Räche dich, Hoei!“

„Es nützt nichts; wir werden uns nicht halten können. Sie dringen vom Meere ein. Sie laufen auf der Straße, auf dem Markte zwischen uns herum; vielleicht grüßen sie uns, wir erkennen sie nicht. Sung hat recht: wenn die Sandkörner gegen die Menschen sind, sollen die Menschen weggehen. Wir Mandschus werden gehaßt. Mich machen sie zum Gespött.“

„Wenn Hai-tang in dir wäre, Hoei! Es ist dein und mein Kind, das man bespeit. Ich will das nicht hinnehmen. Wenn du nicht Rache willst: ich will sie.“