„Ich weiß nicht, was an den Mandschus und den Chinesen schlecht ist. Aber wäret ihr nicht ungerecht gewesen, wäre es nicht zu diesem Aufstand gekommen. Sieh Tang-schao-i an; in allen Städten solche Gauner. Mußte es nicht zum Aufstand kommen? Und wir haben zu leiden. Es ist ein Zeichen von eurer Schwäche und Unklugheit, daß im Lande Rebellion entsteht; werft die Bündler nur hin; nach zehn Jahren kommen sie wieder. Wie helf ich Nai? Wo ist Juen-ching?“

„Juen-ching tut Dienst an der Mauer.“

„Ich möchte ihn gerne sehen. Du mußt jemand schicken und ihn auffordern lassen, zu uns zu kommen.“

„Er kann in den nächsten Tagen nicht fort; ich weiß auch nicht —“

„Aber ich weiß. Ich will mit ihm reden. Ich will ihn sehen. Ich will seine Eltern sprechen. Wir müssen beraten, was mit Nai geschehen soll. Wir haben es abgeschlagen, im Frühjahr sie wegzugeben; jetzt ist Not.“

„Es wird keine guten Zeichen geben.“

„Du brauchst nicht zu sagen, es wird keine guten Zeichen geben, du brauchst mich nicht noch unglücklicher zu machen, Hoei. Es ist unser Kind, und wir können nicht am Fenster stehen und zuhören, wie sie singt, und singt und nichts weiß. Was wird diese Nacht bringen, was wird morgen der Tag bringen? Sie muß mit ihren Dienerinnen in meinem Zimmer schlafen. Ich will Juen-ching sehen, ich will mit seinen Eltern sprechen. Oder, ich will dir sagen, wenn Wang-lun wieder kommt, er kommt wieder, verlaß dich drauf, er kommt wieder, will ich dabei sein. Ich will ihn sehen, ich will ihn fragen, für wen er wirbt. Der Prinz soll zu uns kommen, wenn er kein schlechter Mensch ist. Und er soll Nai haben. Ja, Hoei, die Chinesen sind nicht schlimmer als die Mandschus; es wird gut tun, wenn wir uns versöhnen. Ich will mein Kind nicht wegen eurer Laster verlieren.“

„Jetzt, liebe Hai-tang, weißt du nicht, was du sprichst. Nein, du weißt es nicht. Weißt du, was für ein Schurke dieser Wang-lun ist. Ein Mingprinz! Er will uns zeigen, wie gefährdet wir sind und was er mit uns machen kann.“

„Ich will Juen-ching sprechen. Er muß für einen Tag, für morgen, vom Wachdienst befreit werden. Nein, lache nicht, Hoei. Ich kann nicht leben. Wenn ich ein Weib bin, brauchst du nicht zu lachen. Ich hab den ganzen Jammer zu tragen; wenn dich ein Spott trifft, greifst du nach der seidenen Schnur. Hilf mir, Hoei, hilf der Hai-tang, die du einmal geliebt hast.“

Die Verhandlungen der beiden Familien verliefen rasch. Inzwischen, da das Belagerungsheer noch nicht zum Sturm vorgehen konnte, seine Ergänzung sich langsam vollzog, weil Detachements der Provinzialtruppen die Verbindung südlicher Rebellen mit dem Tschi-li-heere verhinderten, ging Wang in dem Treiben der Stadt auf. Er imitierte fast mit Bewußtsein seine Jugend in Tsi-nan. Als der Tao-tai Tang-schao-i aus seinem Jamen geholt, im Halskragen auf den Markt geführt wurde, stand Wang mitten unter den Gaffern, die das Schild lasen, das dem giftig schielenden Beamten auf Brust und Rücken gebunden war: daß alle in der Stadt sich ein Beispiel an dem Tao-tai nehmen sollten, die direkt oder indirekt Sympathien mit den Aufrührern äußerten und versäumten, Verdächtigen nachzuspüren. Wang war der erste, der das scheue Umschleichen und Flüstern um den mächtigen Mann beendigte, indem er von dem Boden faulige Kürbisreste aufhob und sorgsam nach dem Gesicht des Mannes zielte, ohne zu schleudern. Als die Ladung dann in die Augen des Gefesselten feuerte, hörte das allgemeine Höhnen, Hänseln, Anspeien erst auf nach dem Einschreiten des lahmen Aufsehers, der im schwarzlackierten Strohhelm mit schwarzer Hahnenfeder hockend, von einem toten Fisch an der Hand getroffen wurde und brüllend mit dem kurzen Bambus unter die Menge schlug.