Bevor noch die Flamme, die im Jamen schmauste, den weißen Kopf aus dem Fenster steckte, hatte man das Gefängnis erbrochen, die Eingesperrten losgerissen.
Tang-schao-i erkannt, im Nu erwürgt und zerfleischt.
Das wollüstige Juchzen, das die unsichtbaren Mörder anstimmten, den Kopf des Tao-tai auf eine Polizeistange gestoßen, hetzte die entfernteren, die ungesättigt im Chor „Feuer! Niederschlagen!“ riefen. Als der weiße Flammenbogen über das Präfekturdach und den Torweg des Gefängnisses stieg, tanzte der besessene Riese, johlte gleichmäßig, verzückt, brünstig: „Feuer! Feuer! Niederschlagen! Zerreißen!“ Mit den Armen rissen sie aneinander, kletterten sich auf die Schultern.
Frauen, aufgesogen von dem vorüberspritzenden Menschenstrahl, verdrehten die Augen, zerrten sich Kämme aus den Haaren, röchelten, suchten sich zu entkleiden, zogen einen weißen Schaum durch die mahlenden Zähne. Ihre Pupillen wurden klein wie Punkte. Sie hantierten an den Schultern und Nacken von Brüllenden, die sich mechanisch abwischten. Hie und da hing sich ein schlanker Mann, ein zarter, erschreckter einem Fremden um den schweißigen Hals, seufzte widerstrebend, als die blaugrüne Flamme in breiter Ausdehnung aus den Brüsten der Menge brach: „Wie schön, wie schön.“ Schon flackerten seine Arme wie der hitzige Schein. Er war mit walzendem Gehirn in den steifen strengen Drang hineingenommen.
Die Luft über den Köpfen brodelte.
Innerhalb der westlich auf dem Platz gelegenen Kaserne sperrten zweihundert alarmierte Soldaten den Torweg. Beim Knistern der Holzspalten dicht über sich schmissen sie Bogen und Säbel hin, sprengten gegen den Ruf der Offiziere die Tür. In dem schmalen Eingang entspann sich das Würgen. Die Menge schraubte sich auf die Höfe.
Von Zeit zu Zeit verhüllte der Qualm das große Licht der Dächer. Dann leuchtete die Flamme, plötzlich den grauen Mantel ablegend, über den Markt, entlarvte die tausend verzerrten Tiergesichter, die die schwarze Nacht versteckte.
Sechs Rotten stürmten die breiten Straßen nach Norden herauf; von dem Lager und der Mauer trommelten die Kompagnien herunter. Trompetenstöße, Handgemenge in finsteren Straßen. Von Dächern und nahen Hügeln hauchende Pfeilschüsse, sausende Speerwürfe in die gebäumte tolle Menge. Die Massen stauten sich. Neue Kompagnien bullerten von Norden her, pfählten sich in die Aufrührer, schwangen sich auf die niedrigen Dächer, schossen in langen Reihen, Straße über Straße bildend auf den Markt. In die kürzeren Pausen des Johlens klang ein fernes, wildes Blasen, Schurren, Rumoren; ein Bergrutsch: die Rebellen draußen berannten die Tore. Unbarmherzig drängte die Masse nach Norden, zerrieb sich an der Barriere der Soldaten.
Als das blitzartige Hinsinken der Pfeilgetroffenen begann, spie man in die Richtung der Soldaten. Dann dehnte man sich unter Wutgeheul nach den südlichen Ausgängen, zertrümmerte, was in den Weg kam. Verwundete bröckelten ab, von der Masse losgelassen. Sie warteten nicht, bis der Hauptzug, von den Kompanien zurückgeschlagen, über den qualmdicken Markt zurückhetzte, und das Brausen der Soldatenrufe und die steinernen Trommelwirbel das Gröhlen, die Hetzrufe, Pfeifen überschallten.
Der Kampf von Gruppen auf Markt und Seitenstraßen dauerte eine Stunde. Die Kaiserlichen, im Besitz der nördlichen Stadt und des Marktes, protzten auf vor den verrammelten südlichen Zugängen. Heftiger krawallte es von der westlichen Mauer.