Zwölf Sargträger, wesenloses Grau und Weiß huschten heran, bemächtigten sich still des mit weißen Tüchern und Bändern überhäuften Sarges. Wehklagen, Kreischen, Stöhnen der Gäste im Hof. Das Haus verlassen, das Podium leer. Das lange blaue Seidenbanner der Sippe Chaos führten vierundzwanzig Träger; durch das Tor schlüpften noch hinterher die Träger der Schirme, der viereckigen Mondfächer, der Fähnchen und Hellebarden. Die Mehlkügelchen für die obdachlosen Geister flogen in den Staub am Weg.

Hai-tang spielte mit der Pipa der kleinen Nai im Zimmer der Toten. Ihre Haare hingen. Das Gesicht ungeschminkt. Sie drehte das Instrument hin und her.

An denselben Tagen fuhr man auf großen Lastwagen die gefangenen Bündler vom Markt auf die Richtstätte vor die Stadt. Die kleine Nai lag schon in ihrem Hügel, als die Soldaten auf schweren braunen Pferden dem unabsehbaren Zug der schwankenden Delinquenten voranritten, durch die Mauer in den sandigen Talkessel. Posaunenstöße vom Markte. Die Wahrhaft Schwachen und die Anhänger der Weißen Wasserlilie, fast hundertundfünfzig, trugen hölzerne Fußfesseln; auf ihre Rücken waren Kaoliangrohre gebunden, mit Papier umwickelt, die die Namen des Verbrechers anzeigten. Die Ochsenwagen ratterten durch die Straßen; die Brüder lächelten herunter und winkten mit den Händen den Städtern zu, die ihnen Reisschalen, Tassen mit Wein hinaufreichten. Sie sangen vom Westlichen Paradies. Von allen Seiten lief man hinzu, zeigte sich die Freunde, Bekannten, weinte und wagte nicht zu fluchen auf die Sieger. Draußen umwogte den Richtplatz eine ungeheure Menschenmenge, die Reiter mit flachen Säbeln und Polizeistöcken in Ordnung hielten.

Die Ochsenwagen fuhren an; der Gesang verstummte. In Reihen zu zwanzig hüpften sie hintereinander.

Schon tauchte in ihrem Rücken der Henker auf mit nacktem Oberkörper; den Knauf des zweischneidigen Richtschwertes mit den Händen umschließend, schwang er es hoch, daß sich sein Körper auf den Zehen erhob; niederschmetternd, sich krümmend und von der Wucht seitlich fortgezogen, trennte er Köpfe von Rümpfen.

Zwei senkrechte armdicke Blutquellen; der Kopf rollte, zwinkerte mit den Augen. Der Mund schnappte. Der noch knieende Rumpf schnellte mit einem Satz nach vorn, fiel hin.

Die Soldaten im weiten Umkreis spannten ihre Bogen teils auf die Rebellen, teils auf die finstere Menschenmenge.

Auf die Meldung des großen Sieges erhielten die Gouverneure von Tschi-li und Schan-tung die zweiäugige Pfauenfeder. Mit den Dekreten Khien-lungs traf sein eigenhändiger Brief an die Führer ein, in dem er die vollkommene Ausrottung der Rebellen und Ketzer befahl. Wie großes Gewicht Khien-lung auf die gründliche Erledigung der Angelegenheit legte, erhellte aus den Ernennungen, die er für den zweiten Teil des Feldzuges anordnete; er stellte den Feldherren den Präsidenten des Zensorenhofes, Sza-hoh, und den kenntnisreichsten und belesensten seiner Schwiegersöhne Zoh-wang-tao-roh-tsi als Berater zur Seite. Ferner ließ er in Solon und Kirin tüchtige mandschurische Bogenschützen in großer Zahl anwerben, die nach ihrer Aushebung sofort auf den Kriegsschauplatz rückten.

Die geschlagenen Bündler flüchteten durch das südliche Tschi-li, traten in das Bergland von Schan-tung, sammelten sich an mehreren Gebirgsorten, wo sie neuen Zustrom erfuhren. Sie stiegen geordnet in die Ebene des großen Kanals, den sie überschritten. Die kaiserlichen Truppen, nördlicher und östlicher stehend, konnten nicht verhindern, daß Wang-luns Anhänger in einer blinden Zerstörungswut die Stadt Sou-chong nicht ganz zwei Wochen nach dem Fall Schan-hai-kwangs ansteckten, zwei weitere Distriktsstädte besetzten, schließlich die ummauerte Stadt Tung-chong belagerten und einnahmen. Diese Orte grenzten dicht an Tschi-li; ihre Eroberung gefährdete die Grenzdepartements Kwan-ping und Ta-ming; der Tsong-tou erhielt Befehl, diese Gegend zu decken.

Wang-lun lag in Tung-chong am Kaiserkanal. Alle Rebellentruppen waren konzentriert in einem Umkreis von zwei Tagesmärschen. Der sengenden Hitze folgten Regentage, Sturm. In dem prasselnden Wetter warfen die Bauern die zweite Saat. Der Handel dieser reichen Gegend stand still, der Verkehr auf dem Kanal abgeschnitten. Die Rebellen in einer rasenden Betriebsamkeit zündeten alle umliegenden Dörfer in Brand. Den kommenden Anmarsch der Regulären hemmten sie durch das Ziehen mächtiger Querwälle, in die sie Kanalwasser leiteten. Die Hauptstraße unterwühlten sie; haushohe Hecken-, Bambus- und Sandbarrieren richteten sie von Strecke zu Strecke auf. Die Wachtürme, die durch aufsteigenden Rauch Signale geben konnten, trugen sie ab. Bauern, deren Anwesen sie nicht zerstörten, leisteten Frondienste.