Sie streckten sich an dem Bächlein hin, schwiegen. Die Gelbe Glocke murmelte: „Ich werde nicht mehr viele solche Tage haben. Ich werde nicht mehr lange im Kao-liang liegen. Vor Schön-ting habe ich mit Ma-noh gelegen; im Lamakloster war eine schöne Sonne. Die Salzsieder klopften an die Tür, wir erschraken. Liang-li saß neben mir.“

„Du hast diese Schwester nie vergessen, Bruder Gelbe Glocke.“

Der Offizier hob abwehrend den Arm: „Wenn die Sonne scheint, denkt die Gelbe Glocke an Liang-li aus Schön-ting; wenn sie nicht scheint, wundert er sich, warum sie nicht scheint und warum er Liang vergessen hat.“

„Sie ist in der Mongolenstadt gestorben.“

„Wang, sie ist im Westlichen Paradies. Hinter den weißen westlichen Wolken erkenne ich manchmal ihr feines, kluges Gesicht.“

Das Tuten, Klappern von den Häusern herüber. Ohne Unterlaß zwitscherten die Vögel, die ganz hoch schwärzliche, regsame Klümpchen waren. Wang, liegend, zog die Beine an, warf sich um auf den Leib, kroch hoch und beobachtete die Vögelchen, wie sie fielen und stiegen, und den kleinen Bach. Er nahm seinen Strohhut ab, zog seinen Kopf aus der Schlinge seines Schwertseils, dann stach er das Schwert in den weichen Boden, stülpte den Hut über den Knauf, schwang die Arme und setzte die Beine, als wenn er Anlauf nehme: „Aufgepaßt, Bruder Gelbe Glocke, ich mache Sprünge.“

Mit einem Satz stand er jenseits des Bächleins: „Jetzt bin ich auf Nan-ku. Ma-noh tut, was ich tun will. Es wird alles schlecht. Ich muß weiter springen.“

Er sauste neben sein Schwert; der Hut flog vom Luftzug herunter: „Jetzt im Hia-ho. Eine schöne Zeit, Gelbe Glocke. Der Damm, der Hwang-ho, der Jang-tse; eine Frau hatte ich. Das Wu-wei kommt zu mir gewandert, noch bin ich nicht da, ich kann nicht so rasch folgen. Schlachte, mein gelbes Schwert! Und jetzt —“

Er hob sich im dritten Sprung über das Wässerlein: „Wo bin ich? Auf Nan-ku wieder, bei dir, Gelbe Glocke. Der Wink war gut. Die Verbrecher waren gut. Ich bin wieder zurückgekehrt aus dem Hia-ho, ich bin wieder zu Hause, in Tschi-li. Komm zu mir herüber, lieber, lieber Bruder: bringe meinen Gelben Springer mit, denn hier muß gekämpft werden.“ Die Gelbe Glocke stand neben ihm.

Sie umschlangen einander die Schultern, sahen in das rieselnde, flinkernde Wässerlein: „Der Nai-ho“, lachte die Gelbe Glocke. Beide hielten sich fester. Wang senkte den Kopf, seufzte leise: „Der Nai-ho. Es kann anders nicht kommen.“ Auch die Gelbe Glocke zitterte leicht: „Ich hatte ein gutes Schicksal gehofft für uns. Die blumige Mitte muß ich ungern verlassen.“