Der sehnige Mann stand am nächsten Tage um dieselbe Zeit des Sonnenuntergangs dreißig Li von der Felsenkammer entfernt, in der Ma-noh ihm seine zobelverbrämte Mandarinmütze abnahm, den kostbaren langen Pelzmantel auszog. Er sah ärmlich aus wie alle. Die Männer kauerten auf dem grasbewachsenen weichen Waldboden; sie schöpften Hirse und Hundereis aus Kesseln, tunkten in Näpfe mit Essig.
In zwei drei Tagen war die Ebene erreicht; da mußte man sich trennen bei Tag, betteln. Die Städte kamen, Pe-king kam.
Ngoh hörte auf das metallene Klappern der Näpfe, Gefäße, Eßstäbchen.
Er schloß mit einem harten Ausdruck die Augen. Er schnappte krampfhaft Luft, saß gerade da.
Die auffälligste Wandelung der nächsten Wochen bewirkte der Zustrom von Frauen und Mädchen, der bald, nachdem man in die Ebene stieg, einsetzte. Wang-lun hatte gesagt, es sollte niemand, der Mensch war, von ihnen zurückgewiesen werden; wenn Frauen kämen, sollten sie getrennt von ihnen sich aufhalten, getrennt lagern; man sollte sich nicht durch Lüste in das Fieber des Daseins stoßen lassen; geschähe das öfter, so sei es besser, man schließe die Frauen aus. Dies war klar, und daran hielt man sich. Es war niemand gezwungen, bei den Wahrhaft Schwachen zu bleiben; wer glaubte, die Wanderung über die Erde ohne ihre kurzen glühen Süßigkeiten nicht zu ertragen, durfte umkehren.
Jenseits des Liu-li-ho kam Liu, ein tüchtiger etwas zappliger junger Mensch, der ein schwatzhaftes gutmütiges Wesen hatte, mit einer älteren Frauensperson nach einer zweitägigen Abwesenheit an. Man wollte für ein paar Tage in dieser sanftwelligen Gegend bleiben, traf sich abends in den verlassenen Ställen eines reichen Stierbesitzers unfern einer schlecht gepflegten Pagode. Daß ein Weib da war, sprach sich herum; daß Liu es mitgebracht hatte, erregte allgemeines Schmunzeln; zweifellos hatte sie ihn bewogen, sie zu heiraten.
Es war die kinderlose Witwe eines Teewirtes, die mit ihren schwarzen Pumphosen, schmutzigem Kittel und einem vergrämten breiten Gesicht vor der Stalltür erschien, nach allen Seiten Verbeugungen machte, süßliche Mienen zog. Sie hatte sich einsam gefühlt. Als ihr Liu unaufgefordert bei der schweren Arbeit half, beim Wasserschöpfen und Eimertragen, glaubte sie, er mache sich lustig über sie, war dann geschmeichelt, hörte sein maniriertes Gerede an von Wang-lun, von den Nan-kubergen, und daß sie in keine Klöster gingen, sondern überall auf den Straßen und Feldern wohnen würden. Und welch Zauberer Wang-lun sei; sie hätten so viel, so viel zu erwarten.
Die Witwe sah den jungen Liu, klagte ihr Los; Liu half, redete dies und das. Sie gab ihm ihr Zimmer zur Nacht, indem sie erzählte, sie hätte ein anderes; saß die Nacht auf dem Feld ihres Herrn in einem Schober, dachte, ob sie versuchen sollte, ihn zur Heirat zu bewegen.
Verführungskünste, die sie am nächsten Morgen beim Betreten ihres Zimmers übte, mißlangen; Liu merkte nichts; sie kam sich dumm vor.
Dann gab es ein Wetteschnattern zwischen beiden; sie fragte nach allen Männern an der Pagode, Liu antwortete, sie fragte, wiederholte, Liu wiederholte.