Sie stellten sich auf der Ebene des Hügels im Kreise auf, winkten der Musik und den Brüdern und Schwestern zu; einige der zitternden alten Männer rutschten in den Sand.

Ein freudiges Gemurmel von der Stadt. In schlankem Galopp setzte aus dem Wald ein Füllengespann an; in dem zweirädrigen Wagen, der wie ein ausgehöhlter grüner Jadestein aussah, saß ein bärtiger Zwerg mit der Lenkleine; und hinter ihm trabte ein zweites Füllengespann, das langsam fuhr; aus dem Muschelwagen blickte ein kleines Mädchen, das sorglos einen hohen Stengel, einen Halm, wie grüner Seetang, hochhielt, eine lange Blattscheide senkte sich nach unten.

Bei diesem Anblick brauste das Gemurmel auf, ein lautes Rufen, ein „Ah“ das über die Sitzreihen lief, sich in die Fenster schwang, über den Dächern rollte; das war das Chikraut, das die Unsterblichkeit verlieh. Die Städter und Bauern schwankten aufgestachelt hin und her zwischen dem Schauspiel und dem Anblick der Bündler unten; sie begriffen, daß deren eigenste Sachen auf der hügeligen Fläche sich abspielten; sie suchten sich das Gefühl der Heiligkeit durch den Anblick der Brüder und Schwestern zu verstärken.

In denen ging alles gegenwärtig und ohne Spiel vor. Sie lachten und streckten die Hände aus; sie schmachteten, die Tränen standen in ihren Augen. Die Genien winkten von dem Hügel herüber.

Jetzt hörte die Musik auf; gleich darauf begann sie mit einer eigentümlich springenden, jubelnden Weise; Tamtam und Becken traten hinzu. Und unter dieser Musik näherte sich vom Walde ein feierlicher Aufzug. Zahllose gelbjackige Vorläufer, Tafelträger, Gongschläger. Auf den Schultern von acht Trägern ruhte eine drachengeschmückte bannerprunkende Sänfte, die gelben Vorhänge fest geschlossen; zwei kleinere Sänften und ein Nachtrab folgten.

Die Königliche Mutter des Westlichen Gebirges trug man in ihr Reich.

Auf dem Hügel, an den Sitzreihen herrschte tiefstes Schweigen; dann ein allgemeines Scharren und Rauschen; die Rücken und Zöpfe der zahllosen Menschen, die mit ihren Stirnen zwölfmal den Boden berührten.

Kein Ende nahm der Zug der Königlichen Mutter. Hinter der Sänfte jubelten Männer, Frauen; sie schwangen rote Schnüre, barfuß liefen sie herum ohne Ordnung, sprangen durcheinander, tanzten, wälzten sich übermütig in dem Sand, trugen einander auf Schultern, Männer umschlangen Frauen, Männer trugen Knaben auf den Armen. Erst schien der Gesang unregelmäßig, durcheinander; dann erkannte man, als er näher kam, daß es Dirnenlieder waren, die die Schwestern oft lockend zum Juch-kin trällerten.

Man sprang von den Sitzen der Brüder und Schwestern auf, man stieß sich an, rief sich zu mit überschlagenden Stimmen, zeigte mit den Händen, rief Namen, Namen von toten Bekennern, Bekennerinnen, die bei den Überfällen, beim Klosterbrand umgekommen waren. Diese waren es, ihre Masken, man erkannte sie alle und einzelne; man jauchzte ihnen zu, die zurückjauchzten, rief sie an, lockte sie. Die Schwestern lösten ihre Haare auf und winkten mit den Büschen. Die Brüder, außer sich, schlugen die Hände vor die Gesichter, weinten umschlungen, schleuderten ihre Kittel, ihre Sandalen, ihre Hüte herunter, um jene zu erreichen. Unten, die Masken der toten Brüder und Schwestern, sammelten sich um die Sänfte der gelben Königin des Westlichen Paradieses, die die Vorhänge zurückgezogen hatte, nach allen Seiten das bemalte hoheitsvolle Gesicht zeigte.

Ein ungeheurer Schrei von Zehntausenden riß sich aus der Stadt los; die Augen aller oben sperrten sich auf, man suchte mit den fuchtelnden Händen den purpurroten Schleier abzureißen, den die Erregung blendend über die Blicke legte. Man seufzte angstvoll auf.