„Ich komme zu dir, Ma-noh. Wir haben uns seit dem Frühling nicht gesehen.“
„Frühling?“
„Dieses Jahr Frühling.“
„Am Sumpf von Ta-lu. Diesmal hast du keine Leuchtkäferchen gebraucht, um zu mir zu kommen. Du konntest dich auf deine Nase verlassen, diesmal. Auch die Toten, die in der Hoffnung auf das Paradies gestorben sind, stinken.“
„Als ich das letztemal bei dir Gast war, litt ich an meinem Knie. Das ist geheilt. Wie geht es meinem Wirt?“
„Genau so wie es jemand geht, der auf einem Spazierweg, einem nicht ganz harmlosen Spazierweg ein Knöchelchen nach dem andern, ein rundes Maß Blut nach dem andern, einen Fetzen Haut nach dem andern verliert. Wahrscheinlich wird mich mein Gast jetzt fragen, wie ich mich dabei fühle. Angenehm, behaglich: das ist ja nicht anders zu erwarten, wenn man mit so wenig Gepäck reist. Und es einem ordentlich leicht beim Gehen wird.“
„Ihr wart sehr viele, als ihr von Schön-ting nach Süden zogt.“
„Dann bin ich nach Norden gezogen. Wir sind mehr und mehr geworden. Ich bin König eines Reiches geworden, dessen Güte nur durch eines übertroffen werden konnte, nämlich durch seine Schwäche. Dann bin ich hierhergezogen. Du hast noch nicht alle Toten mit der Nase gezählt von den Brüdern und Schwestern. Wir haben je zweihundert in fünf Gräbern eingeschaufelt. Jetzt sind wir wenig. Und jetzt sitzt Wang-lun neben mir, um den Strich unter seine Rechnung zu ziehen.“
„Ich rechne nicht, Ma. Du mußt mich nicht verantwortlich machen für das Schicksal.“
„Und du mich nicht.“