mir allerlei, Sie würden staunen.“ Der Kaplan atmete freier: „Ich bin ja zufrieden, wenn es Ihnen gut geht und wenn ich Sie nicht gekränkt habe.“
Leicht angewidert wehrte der elegante Herr ab; er streckte die Hand hin, schob den Kaplan beiseite: „Na, Schluß. Mal keine Redensarten. Auslagen ersetze ich Ihnen natürlich. Sehen Sie zu und trösten Sie sich, wir müssen alle unser Päckchen tragen. Das ist mal so im Leben. Auto! Auto! Puh!“
Das war eine andere Wohnung, als die Alice Dufoults. In einem westlichen Gartenhaus ein mäßig dunkler Korridor und dann ein langes, schmales Zimmer. Eine Petroleumlampe auf der Kommode; eine gelbe spanische Wand vor einem Bett; Haussegen, patriotische Bilder an der Wand. Vor dem Fenster der unbedeckte vierbeinige Ausziehtisch und Rohrstühle. Bertha saß in weißer Untertaille und rotseidenem Rock hinter der Gardine und kaute einen Apfel. Sie hatte ein festes energisches Gesicht und lebendige blaugraue Augen. Ihre nackten massiven Arme waren weißgeschminkt, die Hände noch rot.
Als der Kaplan klopfte, wollte sie nach ihrem Umschlagtuch greifen, rief aber gleich: „Immer rinn!“ Der Kaplan schloß die Tür hinter sich; sie riß den Mund auf: „Nanu, was ist denn das für einer? Sie sind wohl von der Heilsarmee?“
Der Kaplan murmelte seinen Namen. Sie winkte ab: „Bei mir ist nichts zu machen damit. Hier
wird überhaupt nicht hausiert.“ Lauter nannte der Kaplan seinen Namen, buchstabierte, trat mit dem Hut in den Händen näher.
Da kreischte sie auf, warf ihren Apfel, daß er zerplatzte, über den Tisch: „Jesses, Sie sind das! Der mir Gesellschaft leisten soll, bis Robert wiederkommt. Nu schläg’s aber dreizehn, nee, kommen Sie mal ran, setzen Sie sich mal hin.“
Der Kaplan rückte sich einen Stuhl zurecht: „Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, liebes Fräulein. Herr von Wahlen hat mir viel Angenehmes von Ihnen erzählt.“ „Nu fangen Sie mal nicht aus die Ecke an. Sie, die Geschichte mit dem Verreisen glaub ich schon lange nicht. Das können Sie Robert sagen. Das ist eine Drückebergerei. Aber —“ und da quietschte sie auf und schlug sich die Hände vor den Mund: „Menschenskind, wie sehen Sie bloß aus! Was haben Sie für einen katholischen Rock an! Zum besten scheint’s Ihnen auch nicht zu gehen.“
Peinlich berührt seufzte der Kaplan: „Sprechen wir doch lieber von etwas Schönem. Wie mir Herr von Wahlen sagte, lieben Sie gelbe Rosen sehr. Ich habe mir erlaubt, Ihnen dies Sträußchen mitzubringen. Ich bitte Sie, wollen Sie meine freundliche Gesinnung daraus erkennen.“ Sie betrachtete ihn aufmerksam und mit Teilnahme. „Da hat Sie Robert aber schön reingelegt. Der Filou, das sieht nach ihm aus. Die gelben mag ich grade nicht.
Warum machen Sie sich aber bloß nicht wenigstens den obersten Knopf auf? Sie werden sich noch erkälten. Sone Tuerei steht einem jungen Mann gar nicht.“