„Wenn Sie wollen, mache ich mir den obersten Knopf auf.“

„Natürlichement. Mit etepetete kommt man bei mir überhaupt nicht weit. Wissen Sie übrigens Männeken, was ich Ihnen sagen will?“ Sie kaute ihren Apfel: „Ich meine von wegen die Geschichte mit Ihnen und Robert: da liegt eine gemeine Schiebung vor.“ Und sie fixierte ihn schlau.

Gequält sah ihr der Kaplan ins Gesicht und studierte vertieft ihre Züge; er äußerte ein paar stimmlose Sätze.

„Sie markieren den Scheinheiligen, mein Lieber. Lassen Sie man sein. Sie sind Strohmann von dem Filou. Und weil Sie schüchtern sind mit Damen, ist Ihnen ganz paß, daß der Filou Sie so deichselt. Was?“

Nach einem weiteren tonlosen Satz fuhr der Herr im schwarzem Gehrock stockend fort: „Ich will Ihnen sagen, mein Fräulein, in gewissem Sinne haben Sie ganz recht. Ihre Vermutung ist zum Teil nicht unbegründet.“

Sie schmetterte ihre Faust auf die blanke Tischplatte, fuhr hoch: „Wissen Sie, Sie sind zum Piepen. Wenn ich Ihnen nu eins runterlatsche, — wie

ist es dann mit der Vermutung?“ Er verfolgte sie freudig, seine Stimme klang befreit: „Ja, das wäre ganz passend und es würde mir recht geschehen.“

Das Gelächter Berthas wollte sich nicht beruhigen:

„Wissen Sie, Amsel oder was Sie sonst für nen Vogelnamen haben, Sie sind zum Heulen. So ein Gerissener wie der Robert ist, der hat sich wieder mal den Richtigen rausgesucht. Bleiben Sie man sitzen. Sie können einem leid tun. Ich mache Ihnen noch einen Knopf auf.“ Sie stand mit ihrem bloßen Arm hinter seinem Stuhl, drückte ihn an seinen Schultern herunter: „Ordentlich rausfüttern müßte man Sie. Ich bring Ihnen nachher was zum Essen. Na nu sagen Sie mal, Mamsell, wie steht’s denn eigentlich mit uns? Wie sind wir denn beide dran? Sie mögen mich wohl nicht?“ Er steckte zwischen ihren Armen; sein glattes Gesicht füllte sich, wurde gedunsen.

Sie ließ ihn los, angelte sich ihren Stuhl; seinen Hut patschte sie ihm auf die Erde; ihn zog sie zu sich auf den Schoß. Er schluchzte leise. Sie sah zu ihm herauf; er drehte den Kopf weg. „Was hast du denn, Mamsell?“ „Nichts.“ „Nanu, du heulst doch.“ Er schluchzte unterdrückt: „Es ist wirklich nichts. Mich regt nur alles so furchtbar auf.“ Er lächelte seitlich zu ihr herunter. „Lang bist du,