„Bist du jung, bist du jung,“ kreischte sie und zog ihn an seinem Schürzenband auf einen Steinblock; ihre Zöpfe tasteten vor ihr. Und während sie sprach, achtete er auf ihren Mund; denn kaum hatte sie ausgesprochen, kam es ihm vor, als ob sie gar

keine Stimme hätte, und er hatte doch alles verstanden. Sie lächelte und blickte ihn an; ihr Gesicht war klein und aus rotem Korall. Er paßte ängstlich auf die Fische auf, weil sie gegen seine Stirn fuhren und es leicht passieren konnte, daß er einen Stichling, ein Moderlieschen verschluckte. Dann stand er ungeduldig auf: „Ich muß ja weiter, ich kann hier nicht bleiben.“

„Wo willst du denn hin?“

„Ich muß zu der Frau Kirbelei. Geht es hier lang?“

„Was willst du bei Frau Kirbelei?“

„Die will ich umbringen. Mein Lenchen ihr Vater ist ein schlechter Mann. Er nimmt alle Woche einen Sack mit Kartoffeln und geht zu der Hexe. Ich binde ihr Eppich um den Hals, und dann —“

„Und dann?“

„Und dann streich ich ihr mein Fingerblut unter die Sohle und denk herzlich an Lenchen. Aber ich kann doch nicht an ihre Sohle.“

„Warum denn nicht? Versuchs mal bei mir.“

„Ja, deine Sohle. Du hast eine feine Sohle. Ihr seid alle beinah wie Fische. Ich hab noch nie gehört, daß es bei uns im Schwarzwald sowas gibt. Dreiäuglein und Trullmänner wohl, Hochwürden hat uns erzählt. Was du für schöne Nägel an den Zehen hast.“