Die Katzen sprangen über Dächer und Böden, sie ließen sich an hohen Schornsteinen herunter, rannten Wette über den Belle-Alliance-Platz, ohne Rast zum Floriansberg.
Mit Kugeln schossen die Städter in Wenzels Fell; da dämmerte dem jungen Riesen, daß die Städter schlecht mit ihm waren. Seine Augen wurden weit und trübe; eine Kälte rieselte von seinen Füßen herauf; er ließ mit sich geschehen.
Der Wind ließ am Abend nach. Von Jüterbog torkelten die drei Riesen her. Ihre Kessel hatten sie vom Kopf genommen, paukten drauf, um Furcht zu erwecken. Die beiden grauen Katzen mit blutig bösen Augen sprangen neben ihnen. Bei Tempelhof, dicht vor Mariendorf, ragte etwas aus dem Sande und bewegte sich. Sie hoben Wenzel an den Schultern hoch; seine Beine steckten tief im Boden, klirrten und klapperten; bis an die Brust war der junge Riese versteinert. Sein Mund lappig und schwer; er stöhnte: „Tut ihnen nichts. Tut ihnen nichts.“ Dann versteinerte er ganz und war tot. Ein Krebs hing noch über seinem Arm, der zappelte, weil er mit der braunen Schere im Stein fest saß. Die Riesen schaufelten mit den
Händen ein großes Loch in die Erde, damit der Stein nicht umfiel. Da wackelte die Mutter herzu. Sie stellten sich hin zu dreien, sahen sich auf die Füße: „Wenzel ist König geworden in der Stadt. Geh nicht hin. Die Leute sind böse und schießen. Wenn er eine neue Kutsche hat, holt er dich ab.“ Die Mutter warf ihr blaues Tuch ab, weinte: „Das glaub ich nicht. Dieser Stein, das ist mein Kind.“
Und fallend glitt sie über den Stein und bedeckte ihn als ein schöner, warmer, grüner Rasen. Und fließend bedeckte sie den Boden und die ganze Umgebung. Die Riesen zupften sich die Bärte, pflanzten Hanfnessel, Löwenmaul und Bilsenkraut.
Das Krokodil
Unter der ungeheuren Aracee lag Julie wie ein blauer feistgefressener Drache. Sie wühlte sich im schattigen Klee, an der Allee, die sich grell in der Hitze hinwand. Die prallen, lederartigen Blätter des Gewächses deckten sich gleich Ziegeln und aus rosa Blattscheiden züngelten die purpurroten fingerlangen Fruchtknoten, weißgesprenkelt, schleimglänzend, an den Spitzen wurmartig gewunden. Sie zog die Äste zu einem Vorhang vor ihre lauernden, gelbbraunen Augen; sie blinzelte tückisch, machte mit zwei dünnen Fingerchen einen Spalt, sobald Schritte die Chaussee heraufklapperten. Trollte ein Kind vorbei, ächzte ein Weibchen unter seiner Kiepe, Julie schaukelte ein Blatt vor die weiße Nase, leckte über die breit glührotgesäumte Oberlippe, auf der schwarze Härchen standen, wie Grasspitzen auf einer Wiese, leckte das Blattende herunter, um daran zu saugen. Beim harten gleichmäßigen Trampeln stemmte sie den Oberleib auf den Ellbogen hoch; der Männerstock klirrte, schnellend schaukelte der Vorhang auseinander und wiegte sich, durch die schwankende Blätterlücke fuhr auf den gelben Blicken ein giftiger Haß hinter den Wanderer, geschient wie ein Eisenbahnzug. Einen Augenblick, dann spuckte sie die angekaute Pflanzenfaser auf die weißen Kleeköpfe zwischen ihren Händen, wölbte den Mund
breit und „Öh“, ein dickes kehlgequetschtes „Öh, öh“ höhnisch und langgetrieben, wobei sie ihren kleinen Körper verkürzte und den Bauch hervortrieb, blökte hinter dem Gartengitter über den stummen Weg; wer sich umdrehte, sah die beglänzte gummiblättrige Aracee.
Weiß lag auf dem Wiesenhügel hinter der Aracee die zweistöckige Villa mit den grünen Fensterläden, dem geschnitzten schmalen Balkon; Glasveranda rechts und links. Juliens grauer stiller Vater, der Ostindienfahrer und Seelord, der zwanzig Jahre an asiatischen Küsten gefochten hatte, spazierte oben im gelben Khakikleid mit seiner schönen weißhaarigen Schwester; aus grünem Samt war ihr Kleid und ihre fürstlich lange Schleppe, die über den chinesischen Mosaikboden strich. Er hob schwer an seinen langen Knochen und Knien; steif als wenn er einen Türrahmen um sich trug, ging er; die beiden grübelten zusammen in den Gewächshäusern, vor den bläulichen ungeheuren Glasfenstern, stopften Vogelbälge aus, putzten Orden.
Sonntags sprang das kleine eiserne, mit Lotosblumen besetzte Gartentor auf. Zwischen der steinernen Doppelreihe grauer Löwen, die mit riesigen Lappohren wedelten, bewegte sich Julie, um in die Dorfkirche über die steinige Allee zu gehen. Die üppige sanfte Tante wallte träumend unter der warmen