Horden, bissig einer den andern einklemmend.
Plötzlich keifte und keuchte einer: „Was drückst du mich so. Willst mich wohl schwach machen?“ Der andere: „Hältst mich für deinen Affen, daß du mir ein Bein stellst? Nimmst du das Bein weg!“ „Laß du deine Hand von meiner Schulter.“ „Reingeschmettert kriegst du eins, daß du Matthäi für Ostern hältst und deine Backen für eine Kesselpauke.“ „Wo die Kesselpauke ist, wirst du bald besser wissen, als wo dein Maul steckt.“ Und rasch sausten die Hiebe. Die Fesseln lockerten sich. Zwei stürzten in den Kreis hinein. Die entfernteren bekamen es mit der Angst, daß die beiden sich für die Besten hielten und hier ihren Entscheidungsmatsch ausfochten, ließen ihren jeweiligen Gegner los, sperrten um die Kämpfenden mit ihren Leibern ein Gitter. Rockzipfel, Kragen wurden frei. „Haut euch!“ hetzten sie, freuten sich und griffen sich dabei eisern um die Taillen. „Nicht rauslassen, nicht heraus!“ Zwei andere stürzten sich aber in den Kreis, Vettern der Kämpfer, ergriffen Partei, wieder andere wirbelten wie Häscher hinterher, einige lauerten im Hintergrunde. Und diesen Moment benutzten ein paar lange Kerle, die sich schon vorher bedeutsame Winke gegeben hatten, rasten wie die Windhunde davon zum Herzog. Ein Wutschrei der Hinterbliebenen, eine kurze Starre. Dann wälzte
sich das strampelnde schlagende Feld über den Markt, mit Knuffen, Stoßen, Würfen, Purzeln. Die beiden Boxer blieben allein, bearbeiteten sich das Fell, blickten plötzlich um sich, schrieen, gaben sich verloren, verprügelten sich noch einmal in Verzweiflung und Ingrimm, schleppten ihre Lächerlichkeit über den Gänsemarkt.
Bei den Leuten, die mit den Hängematten gekommen waren, herrschte von vornherein Eintracht; sie sagten zueinander: „Wer mag wohl der Tüchtigste von uns sein, hä? Sepp, lauf du!“ Und der lief. Damit waren sie zufrieden und sahen sich alles in Ruhe an.
Der Herzog Stoffel saß in seiner prächtigen Generalsuniform auf dem Pferde. Die Minister hatte er auf den Balkon geschickt, damit sie ihn gehörig bewunderten. Blindlings sprengte er in die Menge, geradenwegs und in Bogen sauste er, fünf Offiziere neben ihm. Er schwang den Ehrendegen, den ihm sein Kabinett nach der Okkupation von Padrutz überreicht hatte, und schrie: „Hierher die Tüchtigsten, hierher!“ Er ritt den Menschen voran, die ihm wie eine Meute Hunde folgten. Wie der Blitz notierten die landeskundigen fünf Begleiter die Namen derer, die zuerst Hals über Kopf angeschossen kamen.
Ein Jammer war bei alledem der Anblick biederer Bürger. Diese würdigen Männer traten sonst ansehnlich als Seifensieder, Tuchverkäufer in ihren
Läden auf, drückten sich als Bürokraten gewichtig den Hosenboden durch. Der Herzog sah sie stehen, spannte sich in dem Bügel hoch, schwenkte ihnen den Degen zu. Die Ehefrauen keiften und stießen sie: „Lauft doch.“ Sie drehten sich verlegen, schielten hochrot um sich, probierten unglücklich ihre Beine auf dem Fleck. Die Frauen schrieen: „Er ruiniert uns, er ruiniert Frau und Familie; die Kinder müssen betteln.“ „Wo müssen denn die Kinder betteln?“ „Wir verlieren alles. Sieh, der kleine Drogenmax von drüben läuft schon. Zieh dir die Stiefel aus, Vater.“ Stoßseufzend ließen die Väter mit sich geschehen: „Gott mit uns;“ sie sockten davon.
Sooft Stoffel den Haufen wachsen sah, gab er den Offizieren einen Wink; sie schwenkten um und horridoh! ging die Jagd einen unerwarteten Weg über den Markt. Während er am Balkon vorüberritt, riefen die Minister herunter: „Es gibt Schwierigkeiten, Durchlaucht.“ „Warum?“ „Die Stadt wird leer.“ „Lassen Sie mich nur machen,“ rief er im Feuer seiner Tätigkeit zurück, galoppierte weiter. Und während die Minister sich stritten, reizte, lockte unentwegt sein: „Hierher die Tüchtigsten, hierher!“
Einen drolligen Eindruck machten die Kaufleute, die sich nach und nach bis auf die Hosen entkleideten und sachte Bogen auf Bogen abschnitten von einem Kampfplatz zum andern. Sie trabten ruhig und geduldig.
In dieser trägen Art liefen ganze Gilden zusammen nebeneinander; es hieß immer an der Spitze: „Jetzt geht’s dahin. Jetzt geht’s dahin.“ Während sie zuerst vor Eile die Blicke nicht von dem Boden nahmen, sahen sie jetzt gelassen um sich. Sie waren ganz friedlich, amüsierten sich: „Die Hutmacher habens aber mal eilig. Immer mit der Ruhe.“ Bei diesen Kämpfern verbreitete sich das Gerücht, daß es überhaupt nicht auf die Schnelligkeit ankomme; solche Dummheit habe herzogliche Regierung nicht vor, sondern auf die Qualität des Laufens, die Beherrschung der Gangart. Die Vorsicht in der Bewältigung des Geländes, überhaupt auf die durchscheinenden Charaktere. Der Herzog wolle auch sehen, ob sie zusammenhielten oder nicht. Und so explodierte von Zeit zu Zeit, wenn der Herzog mit Halloh an ihnen vorbeiflitzte, aus der Mitte einer geschlossenen Mannschaft ein kerniges: „Hoch die Dynastie!“ „Hie gut Lobenstein!“ Dieser friedliche Wettstreit brachte ein gewisses männlich ruhiges Element in das Hasten und Jagen.