Graf Harrach beruhigte den schwer erschreckten anderen, der ratlos stehenblieb.
„Trinkt, Herren.“ Wallenstein drängte ihnen Weinbecher auf. Mit starren Blicken auf Meggau hielt Wallenstein das silberne Gefäß, schluckte langsam, preßte die Flüssigkeit, als ginge sie nicht durch den versperrten Schlund.
„Wollt Ihr nicht auch trinken? Graf Meggau.“
„Ich danke Euch, ich bin nicht durstig.“
Harrach flüsterte dem andern zu: „Nehmt Euch in acht.“
Sie saßen auf einer Bank. Statt zu sprechen, erhob sich Wallenstein, packte seinen Degen, bat um kurzen Urlaub, ging ab, den Degen frei in der Hand schwingend. Harrach atmete tief: „Dies ist das Beste. Es hätte kein gutes Ende genommen. Er will sich beruhigen.“
Tagelang hörten sie von Wallenstein nichts. Wallenstein hatte seinen tollen Zustand, den sie „den Schiefer“ nannten; die Gicht war ihm in den Kopf gestiegen, seine Augen geschwollen, tiefrot, das Gesicht tiefblaß. Er saß, lag brütend herum; auf Pantoffeln mußte man gehen. Brüllte, sobald sich ihm einer näherte in Sporen oder mit Hunden; in furchtbarer Gereiztheit schleuderte er Becher, Gläser, fiel Unbedachte mit Peitsche und Degen an. Zwanzig Jäger lagen bei solchem Zustand im Keller seines Palastes, in den anliegenden Straßen; erschlugen auf seinen Befehl jeden Hund, der in der Nähe bellte, würgten krähende Hähne; ringsum die Straßen voll Stroh. Sein Arzt war bei ihm zu Aderlaß Dampfbädern.
Zum Erstaunen des freundlichen gebrechlichen Harrachs war Wallenstein, als er sich wieder blicken ließ, noch zornig: „Machen die Herren mir nicht den Vorwurf, daß ich dem Kaiser schlecht dienen wolle. Ich habe es bewiesen gegen Venedig; fragt meine Feinde, die verräterischen Böhmen.“
Er redete mit kränklichem Gesicht, weiten Augen über den blanken Tisch in dem tönenden Hauptsaal seines Palastes; die Bilder von Cäsar, Alexander dem Großen, Hannibal waren überlebensgroß an den Wänden auf Holzplatten aufgestellt; an einer Querwand sah man in sanften Farben die Geschichte Josephs in Ägypten. Der greise Harrach, seine zitternde Hand berührend, sprach seine Freude aus, ihn gesund zu sehen; sie wollten noch einmal hören, welche Gedanken er, der alte Praktiker, über die Armee zu entwickeln habe. Nach einigem Schweigen, in dem er sich offenbar bezwang, stieß Wallenstein, der den langen zuckenden Arm auf dem Tisch liegen ließ, heiser hervor: „Das Wichtigste ist zweierlei: der Kaiser braucht ein Heer, die Stände wollen es ihm nicht aufstellen. Dann: das Reich ist bedroht, dem Kaiser liegt der Schutz ob. Der Kaiser hat die Aufgabe und das Recht, die Reichsverteidigung in die Wege zu leiten; er stellt das Heer auf.“
Graf Meggau bat innezuhalten; er blickte lange und intensiv den Obersten an: „Dies also ist die Rechtslage.“ Dann: „Sie ist Eure Überzeugung, Herr Oberst?“