Was Wallenstein plante, kam klar heraus in dem, was er seinem väterlichen Verwandten, dem Harrach, offenbarte. Gemildert berichtete der dem Grafen Meggau davon, der die Augen aufriß. Nach diesem Bericht gebrauchte von Wallenstein Wendungen wie: Adlige, Bürger und Bauern vergessen, daß sie ihr Eigentum nur verwalten; daß sie nur vorübergehende Lehnsträger des Reiches seien. Man kann ihnen ihr Lehen wegnehmen, wenn Reichsbedürfnis vorliegt. Einen Grund dagegen zu rebellieren haben sie nicht; besonders nicht die Adligen, Fürsten und Herren, die ihren Besitz seit Jahrhunderten festhalten; diese sind längst reif, ihre Habe wieder abzugeben. Von Wallenstein erklärte, im allgemeinen und besonders in schwierigen und Kriegszeiten könne man das Nutznießen beenden; das Reich, der Kaiser werde dann gedrängt, das Lehen zurückzuziehen. Das gilt von Pferden, Stroh, Heu, jedwedem Material zur Verpflegung, dazu Unterkunft, Holz zum Heizen, auch Gold und Silber.

Graf Meggau war halb glücklich, halb entsetzt; er hielt sich die Ohren mit den Händen zu, schrie lachend: „Nein, nein.“ Er verlangte nach seiner Art wieder nachdenken zu dürfen, erklärte dann, das sei Böhmen, reinstes echtestes Böhmen, was er gehört hätte. „Die tolle Gesellschaft, das Konsortium, Ihr verzeiht mir, weil es Euer Verwandter ist. Aber der Boden ist unverkennbar. Nicht Hab, nicht Gut, nämlich wenn es den andern gilt. O, ich weiß schon, wie man diese Methode bezeichnen wird. Ihr Name ist so alt wie das Strafrecht.“

Der alte Graf Harrach, verliebt in Wallenstein und völlig in seinem Bann, widersprach nicht; auch ihm gingen die Argumente des Obersten schwer ein. Kleinlaut meinte er, er hielte sich für sehr alt und wolle sich nicht dreinmischen; ohne Zweifel sprächen alle Worte Friedlands von seiner Dienstwilligkeit für den Kaiser.

„Und was sagte Euer Verwandter weiter?“

Harrach meinte bekümmert, wenn man dies für Raubritter- und Strauchdieblogik ansähe, so lohne ja gar nicht, darüber zu reden.

„Er meinte also, dem Kaiser stehe im Grunde absolutes Konfiskationsrecht zu?“

„Jedenfalls in schwierigen und Kriegsfällen. Er sagte übrigens auch nach einiger Überlegung, und dabei hat er nicht mit der Wimper gezuckt, daß der Kaiser nicht nur Anspruch auf die Sachen, sondern auch auf die Menschen hätte.“

„Mein Gott und Heiland,“ rang Meggau die Hände.

„Nicht, als ob der Kaiser seine Untertanen wie Leibeigene besitzen und nach Belieben verwenden wolle, sondern: wie der Kaiser von Reichswegen Geld, Sachen, Proviant als Steuern anfordere, so die Menschen, die er brauche.“ Dem alten Harrach war selbst nicht wohl, als er dies erzählte: „Ich habe ihn gewarnt, solche Reden fallen zu lassen; man möchte die Römische Majestät sonst gefährlicher Dinge gegen die deutsche und christliche Freiheit beschuldigen. Aber ich wußte ja, worauf es ihm letztlich ankam, auf die Söldner. Er ist ernstlich der Meinung, Graf Meggau, ganz ernstlich, daß im Grunde der Kaiser nicht nötig habe, ein Heer anzuwerben und zu bezahlen. Der Kaiser sei unverdient in einer so schwierigen Lage wie jetzt. Er könne im ganzen Reiche eine Wehr ausheben, wenn er es für nötig hielte, und die Leute müßten alles liegen- und stehenlassen und tun, was er befehle.“

„Wißt Ihr,“ Meggau verschränkte erregt die Arme, „redet lieber nicht mehr davon. Diese Phantastereien sind mehr als töricht; sie kompromittieren ihren Urheber. Von Wallenstein täte besser an sich zu halten, wenn er wünscht, daß der Kaiser mit ihm in Verbindung tritt. Was soll man von unserem allergnädigsten Herrn denken, wenn er so gegen die Freiheit eines Menschen verfährt; sich erkühnen, eine derartige Vergewaltigung friedlicher Wesen unserem frommen Herrscher zuzumuten. Der böhmische Herr sagte: aller Besitz ginge seinen Weg, heute hierhin, morgen dahin, man müsse nur ohne Zag zugreifen. Das ist Standpunkt des Kriegers. Ich bin kein Krieger. Wir sind keine Krieger.“