Meggau war ernstlich verstimmt, plötzlich fiel ihm die Geste des Fürsten Eggenberg ein, als von Wallenstein gesprochen wurde; jetzt verstand er sie.

Als sie sich am nächsten Mittag an die Tafel in ihrem Quartier setzten, sagte Meggau, die Waschkanne reichend vorwurfsvoll leise zu dem betrübten Harrach, was ihm vor einer Stunde Michna eingeflüstert hatte: „Wißt, lieber Freund, ich habe es ganz heraus, woher der von Wallenstein so toll kaiserlich gesinnt ist. Er streckt uns das Geld für das Heer vor, das Heer aber soll ihm aus dem Reiche sein Geld wiederbringen mit Zins und Zinseszins. Darum ist das Reich mit einmal vogelfrei. Laßt. Ich habe es erfaßt.“

Sie konnten Wallenstein nicht entgehen. Der einzige Trumpf, der in ihren Händen war, die Magnaten und Wucherer Böhmens, ging ihnen in dem Augenblick verloren, wo die Böhmen erkannten, daß Wallenstein in der Tat sein ganzes Vermögen aufs Spiel setzen wollte. Keiner wagte sich da noch neben ihn. Im Augenblick schwenkten die Verängstigten, die schon begonnen hatten, ihre bewegliche Habe zu verstecken, zu ihm über; im Augenblick flossen alle Quellen für ihn. Es stand etwas bevor. Sie wurden aus Wien herüber herunter zu ihm gezwungen. Nach Wien wurde eine Äußerung Wallensteins berichtet: die Herren möchten sich beeilen; der Däne warte nicht auf sie.

Im Erdgeschoß des Antiquariums in der Münchener Neuen Feste stand der gewaltige Doktor Jesaias Leuker, blauroten Gesichts, den federnbesetzten Topfhut an die linke Hüfte pressend, im blauen bauschigen Wams, dessen Knöpfe unter dem Hals krachten, breitbeinig auf spitzen hochhackigen Stiefeln vor dem leeren Armsessel, hinter dem Maximilian an der Fensterwand lehnte. Vierunddreißig Fenster öffneten sich nach dem weiten Hof; die alten Brustbilder darüber in Öl waren unkenntlich nachgedunkelt. Maximilian sagte mit einem fatalen Lächeln: „Sie mögen sich in Wien in Hoffnungen wiegen. Sie tun es. Noch. Sie lassen alles gehen. Treffen keine Maßnahmen. Sie denken, gebt es nur zu, der kommende Krieg ist nur gegen mich gerichtet.“

„Sie denken ähnlich.“

„Sie wiegen sich in falschen Hoffnungen. Wißt Ihr Näheres?“

Leuker wechselte die Beine; die gelben Stiefelschäfte um die Waden öffneten sich zu einem Kelch mit drei bunten Innenblättern, sanken tiefer: „Man hält zurück; Erzherzog Leopold ist der einzige, der sich gehen läßt; er sagte offen, man hätte genug gefochten und gekriegt; Habsburg sei friedfertig, der Kaiser wünsche das Reich zu beruhigen.“

„Sie gönnen mir diesen Krieg, sagt nur gerade heraus. Welche Partei am Hofe hält zu mir.“

Dann fragte er: „Kennt Ihr den spanischen Botschafter gut? Was ist seine Gesinnung? Ist er befreundet mit einem Minister, ist er fromm?“

Er trat neben dem Sessel hart an Leuker heran, leise bemerkend: „Ich möchte wissen, ob Spanien jede Herrschaft über Ferdinand den Andern verloren hat. Ob es die Dinge gehen lassen will, wie sie gehen. Sagt dem Ognate, daß ich ihn warne; Spanien kann die Subsidien an den Kaiser sparen. Mir sind die Hände gebunden.“