„Was habe ich ihm getan, Eggenberg? Nichts. Warum muß er so wild sein gegen mich, mir zusetzen, vielleicht meinem Vetter Philipp heimtückisch Stücke deutschen Landes verheißen. Er hat Spanien aufgeregt; ein schrecklicher Dämon lebt in ihm.“

Ohne sich zu rühren sagte matt Eggenberg: „Bayern will uns in den Krieg für sich zwingen. Wir könnten es darauf ankommen lassen; Spanien kann von uns nicht lassen.“

„Wie erschreckt Ihr seid, alter Freund! Dies ist noch nicht die stärkste seiner Künste.“ Ferdinand lachte gutmütig. „Er hat uns in der Zwickmühle; er gewinnt, wie wir’s auch anstellen. Er zwingt Euch, den Mund aufzureißen, während Ihr bei Tische sitzt, und Euch einen Zahn herauszuziehen. Ich fürchte ihn nicht, ich kenne ihn ja. Er ist so ungebärdig von Haus aus; Ihr sitzt vergnüglich auf Eurer Bank und er kommt, bittet nicht etwa um eine Krume Brot, sondern um Eure Schuh, Euren Wams Hut Kette Degen, alles auf einmal. Es ist seine Art. Ihr dankt ihm dafür, daß er den Kopf nicht mitnahm.“

„Die Konferenz bei der Infantin werden Eure Majestät beschicken müssen, ich sehe es schon. Soweit hat Bayern auf diesen Schlag gewonnen.“

Wieder lachte Ferdinand gutmütig und schüttelte sich: „Und das Weitere wird ihm ebenso zufallen. Das gemeinsame Defensionswerk wird ihm gelingen; wir werden neben ihm fechten und uns dazu Stücke aus unserem Fleisch schneiden. Und damit sind wir noch nicht am Ende.“

„Verhüt’ es Gott, verhüt’ es Gott.“

Langsam stand der Kaiser auf: „Helft mir parieren, Eggenberg; beten kann ich selber. Rat, Eggenberg, Entschluß, Kraft, Kraft. Ah Dighby: wie ich zu ihm sagte: in die Knie, in die Knie, so ist’s recht.“

Er legte beide Arme auf Eggenbergs zarte Schultern, sanft sprechend: „Denkt, Eggenberg, Ihr sollt die Kraft sein, die mir helfen soll.“ „Vergebt mir,“ sagte er nach einer Weile auf den traurigen Blick, „ich grolle Euch gewißlich nicht.“

Sie schickten aus Wien fort eine finstere zorndrohende Gesandtschaft nach Brüssel; aber sie stießen auf die grauhaarige spanische Infantin, die nicht einmal der Höllenhund unsicher gemacht hätte. Sie war stark in ihrem Glauben und unerbittlich in ihren Ansprüchen, dabei biegsam wie der Wind und gefügig, sich in die feinsten Spalten einzuschleichen. Der Bayer und der Österreicher begegneten sich auf den Gängen ihres Palastes; dem Österreicher war der Zorn auf der Stirn eingetragen, der Bayer wich ihm aus.

Die Infantin trug einen mächtigen weißen Krausenkragen um den dünnen Hals, die braune engärmelige Jacke zeigte ihren mageren sehnigen Arm, sie ging mit kleinen Schritten über den Teppich der Geheimratsstube, der rote weite Rock bewegte sich um sie nicht. Sie setzte sich hochstirnig auf ein niedriges Podium; auf dem grauweißen Haar hatte sie einfachen schwarzen Filzhut mit Reiherfedern. Sie trug dem Gesandten des Kaisers vor, wie arm wehrlos und machtlos das Heilige Römische Reich sei, wie verschuldet der Hof sei bei diesen Ämtern, diesen Staats- und Privatpersonen, wieviel Regimenter noch abzudanken seien und nicht abgedankt werden könnten, so daß der Gesandte nicht faßte, woher ihr diese einzelne Kenntnis kam. Sie stellte Spaniens Macht und dauernde Einkunft daneben; schloß lächelnd stolz: sie wolle für den kommenden Krieg gegen die voraussichtliche Koalition der Katholischen sechstausend Mann, achtzehn Reiterfähnlein, sechs Geschütze stellen.