Der verwirrte prunkvoll ausstaffierte Mann verneigte sich nur, hervorstoßend, daß er davon Bericht nach Hause machen werde. Die Infantin wiederholte ihre Worte, noch freudiger; und stand, nachdem sie ihm mit den Augen zugewinkt hatte, rasch auf; man riß die Tür vor ihr auf.

An den nächsten Tagen umgingen den Österreicher hochmütig die niederländischen und spanischen Diplomaten; es war keine Rede von den schwebenden Geschäften, wie auf Verabredung; man beobachtete ihn freundlich; der Gesandte mußte sich vorsehen, nicht irgend jemand unversehens in seiner Gereiztheit zu überfallen. Er schickte seinen Kammerdiener aus, ein Hoffräulein der Infantin einzufangen, um von ihr Heimlichkeiten zu erfahren; er vermochte lange nicht den genauen Anspruch der Infantin zu ermitteln. Es schien ihm, als ob der Bayer sich über ihn lustig mache; der ging Arm in Arm mit dem Spanier; er stand allein. Eines Morgens wurde ihm durch einen Rat der Infantin die Frage gestellt, was das deutsche Habsburg den Spaniern böte, im Falle es sich am gemeinsamen Defensionswerk gegen die drohende Koalition beteilige. Ohnmächtig sah Graf Schwarzenberg wieder, wie man die Sache umkehrte, daß man um diese Hilfe ja nicht gebeten hätte, da man sich nicht angegriffen fühlte. Sofort fügte der Rat hinzu, die Infantin verlange ein Reichsverbot gegen die Holländer, mit Deutschland Handel zu treiben, Sperrung von Weser und Ems für sie; weiter einen Hafen am Belt. Soweit die Infantin von sich aus, für das spanische Niederland; er vermöchte hinzuzusetzen, daß Spanien alsdann dem Kaiser zur Seite treten werde mit dem niederburgundischen Kreis, daß es die Ächtung Hollands begehre, ferner noch etwas Besonderes. Dieses Besondere wollte der im übrigen sehr bestimmte Rat nicht äußern; er sagte, der fragliche Punkt sei nicht von Wichtigkeit im Augenblick; es ergab sich dann, daß Spanien strikte dem Bayern das Recht bestritt der Achtsvollstreckung gegen den Pfälzer; die Besetzung der Pfalz stünde Spanien zu und müsse Spanien eingeräumt werden.

Glückstrunken hörte der Österreicher dies; am nächsten Morgen wurde ihm durch die Infantin bei einer zufälligen Begegnung vor der Messe derselbe Bescheid; liebenswürdig streng, dabei eigentümlich kokett groß die schwarzen Augen aufschlagend, erklärte sie, sie hätte es mit ihren Räten weidlich erwogen; sie werde dem Kaiser helfen wie der König Philipp; sie könne aber von ihrem Begehren nicht abstehen.

Wie auf Sturmwolken rasten die Kuriere von Brüssel an den Rhein, jagten von Mainz nach Regensburg, wo sie sich einschifften, um dem Hofe diese freudige Mitteilung zu bringen, daß Spanien vom Kurfürsten Maximilian Mannheim und Heidelberg begehre. Es werde unmöglich sein, daß sich die beiden verbündeten. Eggenberg reckte sich, wie sich der Kaiser selbst reckte. Es war der alte Wunsch Spaniens, eine Verbindung von Süden her zu den Niederlanden zu haben. Eggenberg lachte befreit: „Wir werden die Pfalz dem Spanier versprechen.“ Der kaiserliche Gesandte in Brüssel wurde nicht müde, die Wichtigkeit der spanischen und niederländischen Hilfe für den Kaiser zu betonen, er erwähnte die außerordentliche Bereitwilligkeit seines Herrn in eine Allianz mit Spanien und Bayern zu treten, damit den Ungläubigen der Fuß auf den Nacken gesetzt werde; auch werde eine Einigung über allen und jeglichen Punkt sicherlich zustande kommen; soweit er. Bezüglich der Kurpfalz verhehlte er nicht, daß sich die spanischen Wünsche nicht sehr von den deutschen unterschieden, es sei da leider eine Auseinandersetzung Spaniens mit dem derzeitigen Okkupanten des Landes, dem Kurfürsten Maximilian, vonnöten. Bayer und Spanier hatten von dem Tage an weniger Anziehungskraft füreinander; sie gingen mehr Arm in Arm, aber bald fest Degen gegen Degen.

Dröhnend, ehrfurchtheischend der Österreicher vor der Infantin in der Ratsstube. Er überbrachte die besonderen freundschaftlichen Grüße der verwandten Majestät; sie hege die Hoffnung auf glückliche Befestigung des Bündnisses. Die Infantin antwortete stark und kalt; ihre Damen, die um ihren Sessel standen, bewunderten sie, wie sicher sie dem Österreicher seine Anmaßung und Triumph wiedergab. Maximilian zog sich aus dem verlorenen Spiel zurück; sein Gesandter bellte, der Kurfürst müsse über den Vorschlag mit seinen ligistischen Freunden beraten, dann biß er nach dem Spanier: Maximilian wolle jeden Punkt erfüllen, aber Spanien müsse sich mit Waffenhilfe für den ganzen kommenden Feldzug, für alle seine Möglichkeiten bis zum gemeinsamen Frieden festlegen. Eine Forderung, mit der er brüllende Wutausbrüche bei dem fremden Gesandten auslöste. Die alte Abneigung Bayerns und Spaniens lag offen zutage.

Der Zwischenfall war erledigt. Eine herzliche Sonderbotschaft wurde von Wien nach Madrid getragen. Maximilian war allein.

In den Kammern der Burg gingen die Geheimen Räte gespannt umeinander. Der Schlag war abgewendet; wessen sollte man sich vergegenwärtigen. Der Bayer rüstete gewaltig mit seinen ligistischen Freunden und Anhängern. Es konnte das Furchtbare eintreten, daß er den Dänen allein besiegte.

Zwanzig Karossen trabten auf den böhmischen Landstraßen, die den reichen von Wallenstein nach Wien führten. Dieser Böhme war mit nichts in den Krieg gezogen; in fünf Jahren waren ihm an vierundsechzig Dominien im Norden des Königreichs zugefallen, die an der Grenze im Norden bis Melinik, von Leipa-Neuschloß bis Wildschütz im Osten reichten. Als Wahlspruch hatte er gewählt: dem Neid zum Trotz. Er besaß das Land des Rebellen Christoph von Redern Friedland-Reichenberg; ihm gehörte Kumburg-Aulititz, Welisch, Sagan, Weißwasser, Hühnerwasser, Smil, Trotzky, Hauska. Er hatte Böhmen abgerahmt; aus dem feinen giftigen Mund seines Vetters Slavata stammte das Wort: die Schlacht am Weißen Berge hat Wallenstein gewonnen. Der Zug seiner Karossen wälzte sich gegen Wien. Man erwartete ihn mit Beklemmung; die Folgerungen aus der Situation mußten gezogen werden. Man forschte seine Begleiter unterwegs aus, was er sagte, wie er sich äußerte, wie seine Stimmung sei; schickte ihm zwei Ärzte entgegen, die für seinen Zustand bürgen sollten. Während Meggau und andere noch zögerten, waren Eggenberg, Trautmannsdorf, auch Questenberg nach der spanisch-bayrischen Attaque entschlossen, es ginge wie es wolle, sich des tollen Böhmen zu bedienen, ihn auszuschütteln, bis kein Dukaten an ihm hinge; nur auf das Geld käme es an; man lasse ihn projektieren, störe ihn beileibe nicht; die hohen Kurfürsten und Stände würden schon für die Einrichtung zur rechten Zeit sorgen. Die beiden Ärzte hatten Geheimauftrag, in keinem Fall den Böhmen nach Wien hereinzulassen vor oder während eines Schieferanfalls. Aber nichts wurde gemeldet als die prächtige Verfassung, in der sich der Reisende befand; man erwog für ihn Festlichkeiten Schauspiel Judenverbrennungen, unerhörte Ehrungen für einen Privatmann. Trautmannsdorf scherzte, er wolle sich zu einem Tanz um dieses goldene Kalb erbieten.

In dem Pomp, mit dem er sich zu umgeben liebte, zog er in die Stadt ein; die Wiener steckten verwundert die Fäuste in die Säcke, als die versilberten Partisanen der Vorreiter anrückten, Zaumzeug und Schabracken, wie ihr Kaiser sie führte, Lakaien, Pagen in feinsten französischen Stoffen, eine halbe kriegsstarke Kompagnie voraus, eine halbe hinterher als Bedeckung. Unter den Scharen der Herumstehenden lief das Wort, da komme einer von den neuen Alchymisten, die machen Gold aus böhmischem Blut. Als er an dem einstöckigen verfallenen Spukhaus von Schabdenrüssel vorbeifuhr, steckte der Oberst den mageren kurzgeschorenen Kopf ohne Hut zum Fenster heraus, lachte erschreckend stark, wie man sagte, hier könne einer den Buckel verlieren; draußen höhnte man über den Hanswurst, der in seiner Kutsche ungeniert fast eine viertel Stunde lang vergnügt rumorte und meckerte. Verwegene Gesellen der Rauchfangkehrer saßen auf Bänken vor ihrem Bierhaus; brachten ihm ein Konzert, als sie ihn lachen hörten, indem sie mit ihren Besenstielen gegen die hölzerne Hauswand ein knallendes Lied schlugen. Nahe dem leeren weiten Stephansplatz, am Bischofsplatz neben dem Heiligturmstuhl, stand das Haus des Kaufherrn Hans Federl. Da bezog der als überreich und verschroben verschriene Böhme sein Quartier. In diesem Hause hatte noch ein anderer Mann seinen Wohnsitz seit einigen Wochen, der Prager Judenprimas Bassewi. Juden wohnten nicht mehr in der Stadt, sie waren durch kaiserliches erneutes Dekret vor die Mauern verwiesen an den unteren Werd; der Prager mit dem gelben Barett hatte einen kaiserlichen Schutzbrief, man mußte ihn dulden. Das Gesindel, das mit Wallensteins Kavalkade anschwärmte, schrie und tobte, als der abenteuerlich schöne und kostbare Troß vor Bassewis Hause sich staute, die Kutsche Wallensteins sich öffnete und ihn auf die Stiege entließ, die Begleitung in die Nachbarschaft abritt. Haufen über Haufen sammelten sich vor dem Federlhof an; wieder sprangen die Rauchfangkehrer, die berußten Gesellen, stellten ihre Leitern vor das Haus, zu sechs, zu zehn, zu zwanzig, standen da schwarz und grimassierend, meckerten, näselten, kreischten Judenspottlieder, machten sich drauf und dran, auf das Dach zu klettern. Es war eine Beleidigung ohnegleichen, die Wallenstein der Stadt erwies, er, von dem es hieß, daß er vom kaiserlichen Hof geladen war.

Und kurz nachdem die liederliche Stadtgarde, die mit dem Gesindel paktierte, das übermütigste Volk vertrieben hatte, erschien mit einer goldenen Kette um den Hals hoch zu Roß unter dem Heiligturmstuhl ein starkleibiger Stadtrat. Mit entschlossener Großartigkeit stieg er an der freigemachten: Treppe ab, ließ sich in die Empfangsstube führen; eingeladen vom Bassewi selbst, in die Ritterstube zu treten, blieb er starr unter dem Deckenleuchter stehen; er bekenne, sagte er mit durchdringenden Blicken gegen den lächelnden kleinen Graukopf, daß er nicht vorhabe mit Bassewi was auch immer zu besprechen, vielmehr habe er mit dem eben eingetroffenen Prager Oberst, der in kaiserlicher Gunst stehe, zu verhandeln. Jedoch sei dieser, verneigte sich bedauernd der Hofjude, hinten von Berechnungen, nicht astrologischen, sondern einfach geschäftlichen okkupiert; es sei bei dem bekannten Humor des Gastes nicht ganz beliebig ihn zu stören; selbst wenn ein ganz illustrer Besuch vorläge. Darauf fand es der Rat für gut, zu wiederholen, daß er angemeldet zu werden wünsche.