Auf dem Hofe war unter den Bewegungen in den Gemächern die Wache angetreten, man rumorte über den Plätzen, es liefen Schritte über Holzbrettern. Als sie eintrat, war Ferdinands Schlafkammer verdunkelt; er schrie erschrocken: „Wer ist da?“ hatte geträumt. Sie zog einen Schemel von der Wand, setzte sich, die Kerze flammte rot hinter ihr unter der Mariensäule. Er war völlig munter und aufgeräumt, achtete nicht, daß der Diener sich gebückt an der Wand zu schaffen machte; sie hatte ängstlich unterwegs den Mann gebeten, in der Kammer zu verbleiben; schwer konnte sie sich an den deutschen Mann gewöhnen, seine Frömmigkeit war ihr Glück.
„Lore, mir fiel etwas ein. Wie war der Hirsch, den du geschossen hast vorige Woche in Gattersburg; wieviel Enden hatte der noch?“
Sie hatte beide Arme über ihre Knie gelegt, saß leicht gebückt da; ein braunes Seidentuch durchscheinend über ihrem Haar, unter dem Kamm geknotet, verwirrte Locken über der Nasenwurzel; traurig senkte sie den Blick auf ihre gefalteten Hände, weil er sich nicht entschuldigte und weil sie sich nicht darüber wunderte.
„Es war bei Begelhof, Ferdinand.“
„Bei Begelhof freilich. Wieviel Enden hatte das Tier? Zwanzig, nicht wahr?“
„Ich weiß nicht genau.“
„Zwanzig, freilich. Ich zeigte dir doch noch. Ich prägte noch dem Mansfeld ein, nicht zu vergessen an Kursachsen zu schreiben, wieviel Enden es waren, von dir erlegt. Ein kapitales Tier. Denk mal nach. Hast du dich nicht gefreut? Und was hast du denn gesagt, Lore?“
Listig schaute er, auf dem rechten Arm halbseitlings aufgerichtet. „Denk’ mal nach, Lorchen. Es war etwas Schönes, Feines, was ich dir versprochen habe für den Schuß.“
Die junge Kaiserin immer stärker befremdet, tief traurig: „Ach. Mein Mantuaer Betpult.“
Er legte sich zurück, zeigte herausplatzend mit dem Finger: „Das war es, dein altes Betpult, nur nicht aus Holz. Aus Gold und Alabaster. Das Bild unter einem Muschelbaldachin. Und ich versprach dir noch die doppelte Summe, daß du es bekommst.“