Sie bewegte leise sprechend die Hände vor das Gesicht: „Wenn ich das Pult nicht bekommen sollte: verzeih mir. Es war nur ein Scherz. Ich will es gar nicht.“ Ferdinand ausgestreckt, eifrig mit den Armen auf die grüne Decke schlagend: „Sollst es haben, sollst es haben; aber durchaus nicht. Aber einer wollte es dir nicht geben. Und das ist ihm nicht geglückt. Lore, ich habe hier so gelacht für dich, ich bin nicht herausgekommen aus dem Lachen.“
„Weißt du,“ er richtete sich rasch hoch, geheimnisvoll, „mein Schwager Maximilian ist ein kluger Mann; seine Regierung ist streng und seine Politik, o, das ist das klügste, was es gibt. Ich bewundere ihn, ich will es nicht leugnen. Aber er hat nicht immer Glück. Sie sind ihm jetzt scharf auf den Fersen. Mir freilich auch. Aber er, er ruft mich! Er ruft mich! Nun, ich will dir sagen, Lore, seit die Welt erschaffen ist, wurde solch Witz nicht gemacht. Ich dachte schon eben daran, Eggenberg und die anderen zu wecken. Die Herren sollen auch ihre Freude haben, aber ihnen setzen die Altersgebrechen zu, ich will sie schlafen lassen.“
Er sprang im Schlafanzug heraus, griff nach seinem Nachtmantel, warf ihn sich über: „Wollen wir ihm die Armada schicken, die er begehrt. Wenn er sie will, wollen wir sie ihm schicken? Sag’ du, sag’ du, Lore!“
Sie bewegte sich nicht, knüpfte sich nur den Schleier unter dem Kinn auf; er fragte sie nun auch nach Politik.
„Sag’. Sag’ ja. Wenn er ruft, wollen wir sie ihm nicht versagen. Wollen ihm ein gnädiger Kaiser sein. Ein gnädiger Kaiser. O, o.“
Er schaukelte auf der Bettkante sitzend unter Gelächter den Rumpf. Sie wich ihm mit ihren Blicken aus. Er fuhr fort: „Ich werde es mir mit Gewalt abstreiten lassen. Ich werde ein saures grünes Gesicht machen. Hoho. Homer, der schläft.“
Sie war entsetzt; der Kaiser war so erregt und glühend. Sie bat ihn sich wieder zu legen; hilfesuchend sah sie sich nach dem Diener um, er war fort, ein Weinen war sie. Er umarmte sie, indem er mit den Armen zu der gebeugt sitzenden herüberlangte: „Du bist meine herzliebe Lore. Du bist ein Weib, wie es in ganz Europa nicht besser ist. Nicht bei meinem jungen Vetter Philipp, nicht in Mantua.“
Bei Eleonore die Gräfin Kollonitsch, ihre Freundin.
Der einfache stille erwärmte Raum. Auf dem braunen glatten Holzboden der würflige weiße Kachelofen in einer Ecke, auf plumpen kantigen Füßen. Zwischen Ofen und Wand ein kleiner gepolsterter Sitz; da eingeschlossen saß in blauem Samt die mädchenhafte Kaiserin, hörte sanftblickend die schwarze junge Gräfin an, die unruhig auf der hochleistigen Polsterbank eng an der getünchten Wand lehnte. Still endete die Gräfin: „Ich teile seine Liebe mit den Hunden, zwei Falken, Majolikavasen.“
„Du weißt das lange, Angelika. Grollst du ihm?“ „Er liebt ja auch Maria, die Mutter Gottes.“ „Angelika!“