Die Bewehrungen der Regimenter Wratislaws Kolloredos Aldringens streckte der Herzog mit sechsunddreißigtausend Gulden vor. Für die übrigen Truppen, Werbe- und Anrittgeld, Anfangssold, stiegen die Vorschüsse des Herzogs über den Betrag von einer halben Million, zu der sich der Kaiser erkannte. Wallenstein verstärkte seine eigene noch in Pommern liegende Leibgarde auf zwei Kompagnien Arkebusiere, zwei Kompagnien Dragoner, nur Welsche Wallonen und Italiener, dazu katholische Iren; die ihnen zustehende Kontribution zahlte er aus eigener Tasche.
Die Armee, zum Wintersende seiner Ankunft und seines Befehls wartend, strotzend stolz ungeduldig, wurde von ihm gereinigt, sie sollte biegsam wie eine Rute in seiner Hand sein. Im Magdeburgischen sahen die eingelagerten Ligisten mit Schrecken von weitem angezogene Friedländische Regimenter halbe unter Prozeß stehende Kompagnien umzingeln, fesseln, entwaffnen, aus größter Nähe mit Rottenfeuer über den Haufen schießen. Die Proviantstäbe einzelner Regimenter wurden samt und sonders rasch beseitigt. Eine Anzahl Obersten wurden nach Prag gerufen, andere ritten selbst herbei, um Befehle für den Feldzug entgegenzunehmen. Sie saßen als Gäste im Palast des Herzogs, um Tags darauf dem Generalprofoß zugeführt zu werden. Dem wurde vom Herzog bedeutet, der Herren, die in den letzten Jahren gut waren, Schrecken in Deutschland zu verbreiten, bedürfe er nicht mehr. Der krummbeinige gelbgesichtige Herr von Gürzenich, Schellard Dorenwert, der Einäugige war gefangen, er der die Kurtrierer Nonnenklöster verwüstet hatte; später hatte ihn rachsüchtig der Kölner Erzbischof gefaßt, eingekerkert, erst auf Wallensteins Andringen freigelassen; vom Rhein zur Elbe losbrechend, übte der wilde Schellard Schandtaten über Schandtaten, Plünderungen, Erpressungen; mit triefenden Schnauzen stießen seine Arkebusierreiter und vier Kornette Kürassiere zu der Wallensteinschen Hauptmacht, sie schluckten die Wonnen des Feldzugs herunter. Das Gericht verurteilte den fade blickenden gefesselten Mann zum Tode durch das Rad. Er spuckte dem Generalprofoß, keifend und ihn wie einen Wahnsinnigen verlachend, gegen den Stiefelschaft; es half ihm nicht, daß er sich als friedländischen Lehensmann gab, er wurde eines warmen Märzmorgens auf dem Felde vor der Prager Altstadt ohne Aufsehen mit dem Schwert exekutiert.
Der ältere Kratz, Graf Hans Philipp von Scharffenstein, wurde in Prag auf dem Kirchgang überrumpelt und aufgehoben. Ihm hatte der Friedländer stolz und mit vielsagenden Blicken versprochen, er hätte ein Herz für seine Soldaten, Kratz solle herrliche Quartiere mit seinen Regimentern beziehen. Darauf ging Kratz, verständnisvoll lächelnd, mit sich zu Rate, führte seine Reiter nach Franken und Schwaben, den Markgraf von Baden herausfordernd. Das Urteil des wilden, der vom Leben zum Tode befördert werden sollte, war schon gesprochen, als ihm, der riesenstark war, gelang, sein Zellgitter zu zerbrechen, bei Nacht in den Graben zu springen. Dem Wachposten, der ihn jenseits erwartete, drückte er, ihn hin und her werfend, mit den Ellbogen den Brustkasten ein, entkam in den Kleidern des Ausgeraubten, in den Graben Geschleuderten. In Baden zeigte er sich an der Spitze der von ihm geworbenen Regimenter, schickte einen Höhnbrief an seinen General; nach drei frech im Lande durchbrausten Wochen führte er seine Regimenter über den Rhein zum Herzog von Lothringen.
Oberstleutnant Gottfried Eichzel, des Regimentes Fahrensbach, ein dickleibiger flinker blutrünstiger Mann, stationierte im Gefolge der Armee Arnims in der Grafschaft Ruppin. Er, der den Krieg nicht als Martyrium für sich und seine Offiziere erachtete, bemächtigte sich in Ruppin der Häuser von Adligen, schließlich des kurfürstlichen Schlosses selbst, von da mächtig und in Ruhe das Land überfallend, ausplündernd. Vom Herzog von Friedland verlautete, er hätte wegwerfend vom Brandenburger Kurfürsten gesprochen, der mit dem Schweden und Bethlen versippt war, und man hätte keinen Grund, sein Land sonderlich zu schonen und in Acht zu nehmen. Der runde wippende Eichzel verließ Prag nach dem Besuch für lange Zeit nicht; nach Formierung seines Prozesses wurde er in Eisen geschlagen, in einem Kellerloch verwahrt.
Den Obersten Marquis Brissy und Haußmann wurden die Regimenter abgesprochen. Des Daniel Hebron, eines strengen ihm mißliebigen Mannes, konnte er sich nicht bemächtigen. Aus dem Heer gestoßen wurden nach kurzem Prozeß die Kroatenobersten Orahoczi, Hrastowacki. Hinweise auf frühere Verdienste drangen beim Herzog nicht durch. Die Namen einiger Entflohenen wurden vom Henker an den Galgen geschlagen.
Wie ein Eber den weichen Waldesboden aufreißt, daß die Erde und Moos beiseite spritzen, so stießen Wallensteins Armeen im Reiche vor, warfen die Menschen auseinander, zerschmetterten und durchwirbelten sie, zerstreuten sie in die Winde. In dem Schritte des Heeres war kein Gleichmaß, aber gebändigt war die steife tragende Kraft, die die Dächer abhob, mit Sicherheit Korn Heu Stroh in tausenden Maltern aus den Dörfern trug, unduldsam, bei Gefahr völlig vernichtete.
Wie der süßeste Wein schlich dem Kaiser der Brief der Fürsten ins Herz, der ihm die drohsam vergewaltigende Übermacht des Generals schilderte. Sein Gesicht blühte auf, seine Augen weiteten sich feuchtverklärt. Und dann erlosch er, sank mit schlaffen Knien, schlotterndem Kopf auf den Sessel, ließ den Speichel vor sich auf den roten Teppich träufeln, blickte stier. Nach langen Minuten fand er sich zusammen. Ging freudig weich durch die Kammern, sein Herz voll Seligkeit. Der zarte Doktor Frey fragte ihn, was er zu antworten gedenke. Ferdinand sah in die wasserblaue Frühlingsluft: „Ich danke ihnen.“ Der wiederholte seine Frage. Ferdinand: „Ich danke ihnen, ich ließe ihnen vielen Dank sagen.“ Befremdet der Sekretär: „Den durchlauchtigen Kurfürsten und Fürsten.“ Ferdinand, die Arme verschränkt, in einer sonnigen Gewißheit: „Schreib’ ihnen recht schön. Frage Eggenberg, was du schreiben sollst. Ich ließe ihnen doch danken, vielen Dank sagen.“
Der Böhme schrieb an den Rand des Briefes: „Es deucht mich ein Gutes, daß die Mißgünstigen sich regen. Sie werden bald offen abtrünnig werden. Es gibt keine andere Möglichkeit sich auszubreiten als durch Reizung der Übelwoller.“ Er selbst empfahl als Antwort für den Brief: wie man, Fürsten und Stände, dem Kaiser seine Kriegskosten zu ersetzen gedenke, wenn man Schatzungen und Kontributionen nicht wolle; und wenn er Frieden schließen solle sofort und bei beliebiger Kriegslage, wie man sich die Abdankung des Heeres denke, von der Rachsucht des Dänen zu schweigen.
Der Kaiser las den Brief der Fürsten noch einmal. Er ging am Arm Freys in den sprießenden Garten herunter, straff, den Degen wie einen Stock aufstoßend. Durchdringend und mitleidig blickte er Frey an, als der wieder Bedenken vortrug. Er ließ seinen Arm.
Unter dem Schall der Abendglocken diktierte er an den Fürsten Eggenberg und den Präsidenten des Hofkriegsrats. Es müsse zur Durchführung der kriegerischen Notwendigkeiten, zur Sicherung der kaiserlichen Vormacht dem von Wallenstein freie Hand gelassen werden. Er wiederholte: „Freie Hand“. Und daß Friedland zum Generalobersten Feldhauptmann über die gesamte Kriegsmacht ernannt werde, mit Vollmacht, Regimenter nach Gutdünken zu reduzieren und aufzustellen, Obersten selbständig zu ernennen; keine Verhandlungen mit dem Feinde gegen seinen Willen.