Sie mußten nach einem grausigen Bombardement klein beigeben. Dann aber kam zu den tausend Dänen, die sie bei sich hatten, ein schwedisches Hilfskorps auf Schiffen an. Vom Frankentor fielen die Schweden gegen Arnim aus. Der Pommernherzog legte sich ins Mittel, wie die Raserei drin und draußen stieg, er sah das Schicksal der ihm untertänigen Stadt voraus, wenn man den Böhmen zum Äußersten reize; stand für die Erfüllung der Bedingungen ein, die festgesetzt wurden in Schleifung der Außenwerke, Abschaffung jeglicher Besatzung aus der Stadt, Abbitte, Geldzahlung.
In Wien, München kicherte man über den Akkord; der Herzog ruhig abrückend bedeutete dem Notar Wahl, der ihm das stralsundische Gelöbnis der Devotion gegen Kaiser und Reich überbrachte, wenn die Stadt sich zum Sprungbrett des Dänen oder Schweden machen wolle, werde sie bald aufgehört haben, deutsch zu sein, sie werde das ganze Römische Reich gefährden, er habe Zeit und warne die Stadt.
Den Dänen fing er bei Wolgast ab. Die Verzweiflung des dänischen Volkes über die Beraubung fast ihres ganzen Festlandes war besiegt worden von dem Gram und der Empörung über die erlittene Niederlage. Ihr König Christian, vom Pöbel angefaßt im Unglück, flammte wieder vor ihnen.
Die dänische Flotte, hundert Schiffe, kreuzte vor Warnemünde, Barth, Usedom. Bei Wolgast landeten sie. Zwischen Sümpfen, Morästen, hinter Wällen stürzte sich der Kaiserliche auf sie, griff sie bei Hals und Schultern an, schlug sie, Fußvolk und Reiter, nieder, warf den flüchtigen Christian aus der Stadt, dem festen Schloß. Die Masse der Fremden aufgerieben, der Rest mit dem König in die Schiffe gejagt. Rostock fiel, Krempe; der Däne war hoffnungslos vom Festland verdrängt.
In alle erreichbaren Häfen der Ostsee schob der Herzog Besatzungen, Wismar nahm er ein, da baute er eine Werft. Das Meer von zwei Seiten einspannend, drängte er herüber. Er brauchte Schiffe. Wasser war dem Herzog neu, nach den Chausseen, marschierenden Truppen, Kanonen in Fahrt, rollenden Wagen und Zelten. Jetzt fehlte das einfachste, der Weg, eine flüssige, schwere Masse schwamm vor seinen Füßen; die Herren, kraftstrotzend, standen mit einem Strick am Bein am Küstenrand. Gegen sein neues Herzogtum Mecklenburg schwankte das zerquellende widerstandslose Element an, er beobachtete es widerwillig. In Wismar setzte er neben sich einen Generalleutnant, Fiskel, Sekretär. Die befreundete spanische Monarchie, die Herrscherin zur See ging er um Rat an gegen dies wässrige, grüne Gespenst. Dem aus Brüssel anfahrenden spanischen Beauftragten, Gabriel de Roy, einem kühn auftretenden Offizier, erklärte er, man müsse noch das Meer überwinden; Spanien solle Hilfe leisten, die verbündete Monarchie könne Vorteil aus der Sache ziehen. Er werde die Elbe- und Wesermündungen halten, die Ligisten die Grafschaft Oldenburg und die Ströme der Grafschaft Emden; man müsse die Ostsee gemeinsam beherrschen, den niederländischen Handel matt setzen. Der Stadtoberst von Lübeck wurde um Schiffe angegangen, versprach achtzehn gute Orlogs auszustaffieren. Der polnische König, vom Schweden bedrängt, hilfenehmend, erklärte sich zu vierundzwanzig Schiffen bereit. Dann heischte er generell von den Hansastädten, sie sollten eine Flotte bilden gegen die schwedisch-dänische Übermacht; es sei ein gemeinsames deutsches Interesse. Der Böhme glaubte der Hansastädte sicher zu sein, die schwersten Drangsalierungen Vergewaltigungen Beraubungen ihrer Privilegien auf Malmö, Schonen, Ystert durch Christian ausgesetzt waren. Mit hartem Druck umlagerte seine Truppenmacht sie, die die Brücken und Wege innehatten über das nachgiebige Element, Lübeck, Hamburg, Rostock, Bremen, Wismar, Stralsund; er drohte herüber nach Lüneburg, Magdeburg, Köln. Zweihunderttausend Kronen wies Spanien an.
In Güstrow ließ er sich huldigen von seinen neuen Untertanen. Vor seine Füße rollte ein kaiserliches Handschreiben. Der Böhme erinnerte sich in manchen Augenblicken kaum des Kaisers. Der schrieb, daß er ihn zum Kapitängeneral dieses erreichten ozeanischen und baltischen Meeres ernenne, nachdem die feindliche Macht zu Land gedämpft und man dazu übergegangen sei, eine Armada zu Meere herzurichten und zu unterhalten. Der Kaiser huldigte: er vertraue, daß mit einem solchen Haupt versehen, in Tüchtigkeit, Qualität, Erfahrung, Genie reichlich im Krieg und Frieden erprobt, Heer und Flotte in sicherster Hut seien, machtvoll blühen werden zum Ruhm des Hauses Habsburg, des Römischen Reiches und des Geschlechtes Wallenstein. Der Herzog schniefte gestört, fast gereizt, zuckte die Achseln.
Hinter den schützenden Wasserbergen vergraben der blonde König Christian, der dem niedersächsischen Kreis Bundesoberst gewesen war. Klagend über den menschlichen Größenwahn, der ihn auf Eroberungen nach Deutschland trieb; er forderte seine Reichsstände heraus, sie möchten es wagen und sich an ihm vergreifen.
Gelähmt hinter dem anderen Wasser England. Die verzogene kapriziöse Königin, von ihrer Schönheit besessen; ihre duftende französische Umgebung brüskierte noch die puritanischen Lords, die sehr zeremoniell am königlichen Hofe erschienen. Mit katholischem Pomp, Weihrauch, Bildern und Fahnen, die sich auf die Straße wagten, forderte sie die Londoner heraus. Nach einer Revolte mußte Karl die Franzosen heimschicken. So wuchs die Erregung des Volkes an, daß Karl in seiner Bestürzung daran dachte, die Königin selber zurückzuschicken. Er brach mit den französischen Machthabern, nur besänftigen wollte er das Volk, das Parlament, ging betteln bei der Opposition, lockte ratlos mit Baronettstiteln. Unter dem Beben des Bodens, dem drängenden. Grollen von Parlament und Hauptstadt rang der blasse König täglich mit der übermütigen kreischenden Tochter der Medizäerin, die ihr Spielzeug, ihren Hof, prunkvolle Andachten wieder verlangte.
Als Buckingham, nicht mehr Herr seines Spottes und Dialektik, flehte, um sich selbst in Angst, dem Parlament nachzugeben, um das Schlimmste zu verhüten. Grausam drohten die Lords, die Bürgerschaften. Buckingham, zitternd, machte sich selbst auf, den Parlamentswillen zu vollstrecken, Hilfe den Hugenotten gegen Richelieu zu bringen, der sie in der französischen Seefeste Larochelle eingeschlossen hatte. Aber auf der Rheede des Hafens sah er die furchtbare Übermacht der Katholischen, hochmastige Schiffe, zu Lande zielende Kanonen, Männer, verwirrt gab er, noch auf der Rheede Befehl, umzukehren. Brüllte weinend in seiner Kajüte gegen die Kapitäne, es sei unmöglich, unmöglich, er könne dies nicht verantworten, die englische Flotte sei mehr als ein fettes Futter für die Welschen.
Ans Land gestiegen kam er nicht weit. Sein Haus in Portsmouth hielt eine tobende Menschenmenge eingeschlossen; er wollte zum König nach London. In der Vorhalle seines Hauses wurde er nach vier Tagen, gewaltsam versuchend auszubrechen, von der Volksmenge erstickt, zerquetscht, seine weißgepuderte Perücke zerfasert, seine tanzlustigen Knochen zerbrochen, seine lasciven Lippen mit Kot bedeckt. Der König in London schloß sich zwei Tage ein, verfluchte sich, die Königin, das Parlament, machte sich mit innigstem Grimm zum Zweikampf mit dem Volk bereit. In wilden Zuckungen warf sich England, griff keinen Feind mehr an.