„Neidet mir der Herr meine Lorbeeren. Will der Herr, begleit er mich, sei er mein Diener.“

„Die Zeiten sind vorbei.“

Dighby zynisch lachend: „Ich werde achten, wann der Herr seinen Degen trägt. Man muß sich ja vor ihm fürchten.“

Der Habsburger ritt. Dighby zu Fuß wegen seines Hüftwehs.

Kühler Buchenwald bei Wolkersdorf, warmer böiger Maiennachmittag. Aufgescheuchte Haselhühner Marder, aus Sumpfwiesen der Lichtungen grelles Gequak der Frösche. Der Kaiser leicht gekleidet, weißes Wams geblümt mit Anemonen, bauschige Ärmel, Schlitze mit goldenen Borten; am einfachen Ledergurt quer über die Brust das Wehrgehenk; die Beine in den roten, weiten Kniehosen; hinter ihm wehte der schwarze Mantel gelbgefüttert. Er plauderte gleichgültige Dinge, schwenkte oft seinen Tummler, so daß er leicht heruntergebeugt mit einem Anflug von Verlegenheit und Besorgnis das Gesicht seines gleichmütigen Begleiters studieren konnte. Um seine Familie fragte er den Lord, der einherschritt mit dem Krückstock, tief über dem Magen den Orden am blauen Atlasband; mit dem platten schmalkrämpigen Hut sich Luft fächelnd an seine roten vollen Backen; oft mußte sich der Lord bücken, wenn er mit der großen Goldrosette seiner Halbschuh im Strauchwerk hängen blieb; noch dicker quoll beim Aufrichten in der spanischen Krause sein Hals. Der Kaiser sprach von Italien, setzte Feinheiten beim Saustich auseinander, erkundigte sich nach schottischen Hunden, schwoll über von Jagdgeschichten. Mitten über einen Waldpfad schnürten zwei Füchse dicht hintereinander dahin; der stärkere, der Rüde, voran mit einer Fasanenhenne, die Fähe mit einem zappelnden Junghasen. Dighby zuckte vorsichtig nach, der Kaiser lachte herunter über seine Gespanntheit; stellte ihm frei, morgen den Bau zu graben, die Welpen auszuheben. Noch einmal dankte Dighby für die Gastgeschenke. O, der englische Herr möge nur sehen, daß es nicht an ihm läge, wenn sich Schwierigkeiten erhöben. Er habe mit Freuden von den Ausgleichsbemühungen des Gesandten gehört, Meggau und Eggenberg hätten ihm berichtet, auch in die Denkschriften der Pfälzer Legaten hätte er geblickt. Ob sich die Majestät von der Triftigkeit der britischen Argumente überzeugt hätte. „Weiß, weiß. Meint es gut. Ist Euer Verwandter, der Pfälzer Kurfürst. Der Herr weiß, daß beim Ausgleich mein hoher bayrischer Schwager mitzusprechen hat; fasse der Herr es gut und glimpflich an; an meinem guten Willen soll es nicht fehlen. Was hat ihm sein Souverän Sonderliches ans Herz gelegt?“

„Dem flüchtigen Kurfürsten zu seinem erbeigentümlichen Land auf jede Weise zu verhelfen, zu protestieren, daß der Krieg in deutsche Länder getragen werde, da Friedrich den Krieg nicht geführt hat gegen des deutschen Kaisers Majestät, sondern gegen einen habsburgischen Kronprätendenten, er selbst erwählter böhmischer König; zu protestieren gegen die Reichsacht —.“

„Weiß, weiß, die Gründe sind mir bekannt. Sonst nichts Sonderliches?“

„Die Protestierenden werden es im Heiligen Reiche nicht leicht hinnehmen, wenn einem ihrer Glieder ein gewaltsames Leid geschieht. Wie dem sei, will der englische Souverän und sein Parlament nicht ruhig zusehen, wie ihren Glaubensverwandten Gewalt angetan wird.“

„Spreche der Herr nur weiter.“