„Der böhmische Zwischenfall ist erledigt, ist von Ihrer deutschen Majestät siegreich aus der Welt geschafft. Dies scheint uns ein Ende der Angelegenheit. Über Schadloshaltung, persönliche Sicherung sind die englischen Berater bereit, mit Friedrich in Verhandlung einzutreten; wir verhoffen uns einer guten Wirkung auf ihn.“

„Bringe der edle Graf das in München an, Schwierigkeiten und Annäherungen. Haltet nicht zurück. Mein Schwager wird Euren Gründen gerecht werden. Von mir seid gewiß: ich grolle dem Hitzkopf, dem pfälzer Friedrich, nicht; ich weiß, auch der englische Souverän hat seine Pein mit ihm gehabt und sein böhmisches Abenteuer nicht gebilligt. Ich wünschte, der britische Hof hätte vorher Einfluß auf ihn gehabt.“

„Der britische Souverän wird erfreut sein von der Friedensliebe und der Wohlgesinntheit Eurer Majestät durch mich zu erfahren.“

„Ihr müßt nach München. Der bayrische Herzog ist meine rechte Hand im Krieg gewesen; es ist nur billig, daß er es beim Friedenschaffen ist. Sagt ihm auch, daß ich Euch nach meinen Kräften begabt und empfangen habe. Sagt — nein. Vielleicht ist es besser, Ihr sagt es nicht. Nein, sagt ihm nichts davon.“ Er lächelte fremdartig, wehmütig den aufmerksamen Lord an: „Mein Herr Schwager in München ist ein absonderlicher Mann. Ich weiß nicht, wie er es aufnehmen wird; er ist oft melancholisch. Tut nach Belieben. Es gibt nichts zu verbergen.“

Über Mittag an der ländlichen kaiserlichen Tafel im Wolkersdorfer Schlößchen verweilend, wurde Dighby bei Tisch vom alten Harrach, seinem vergnügten, gewandt englisch parlierenden Nachbarn, eröffnet, daß der Kaiser dem Herrn für die Münchner Tour noch Gesellschaft mitschicken wolle, die ihm zur Seite stände bei Audienzen, ihn auf dem Laufenden erhalten möge über Wiener Ansichten, Kenner des bayrischen Herzogs. Den Nachmittag zuvor war dies festgesetzt zwischen dem Herrscher und einigen Mitgliedern der Hofkammer; erregt, fast bettelnd sagte Ferdinand: „Wir müssen alles anwenden. Wir dürfen uns nicht scheuen, jedes Mittel dranzusetzen, um zum Frieden zu gelangen.“

Und keiner der sehr klugen edlen Berater wußte, warum sich der Kaiser so um den Frieden härmte.

Nur Trautmannsdorf, der verwachsene kleine Mann, der verschwiegene, ahnte etwas, als angefangen wurde von dem Bayern, und der Kaiser davon nicht abkam, nicht abkam. Er dachte an die auffallende Begrüßung, die Ferdinand zu München erfahren hatte bei der jubelnden Rückkehr aus der Krönungsstadt Frankfurt, Ferdinand, eben zum Kaiser gewählt, gesalbt. Die eisige Maske des dunkelbärtigen Wittelsbachers, der neben seinem liebenswürdigen gebückten Vater, dem schneeweißen Verschwender und Bankrotteur, vor den Mauern der Stadt an den kaiserlichen Zehnspänner trat, stumm dem lachenden übersprudelnden Österreicher gegenübersaß in dem spiegelnden Kristallwagen. Über den Köpfen der drei Regenten brannte abends ein Feuerwerk am Isartor, an der Langen Brücke, ab, Kanonen wurden auf allen Wällen gelöst, die Donnerschläge rollten majestätisch in die dunkle schwere Sommerluft hinein. Erst am Tage darauf in der schönen und reichen Kapelle der Fürsten, angesichts des silbergetriebenen Altars, vor den wunderbaren Reliquien des Heiligen Ambrosius, des Heiligen Stephan, der Walpurga, Damiana, Agatha, Crispina, gedachte der glückstrunkene Herrscher Böhmens, und daß seine Erblande in Aufruhr und Abfall waren. Höllisch verzog sich auf dem Rückgang in die Ritterstube einen Augenblick das marmorfeine Gesicht Maximilians. Stiller wurde zwischen den Seidentapeten, den gewirkten stolzen Bildern aus Bayerns Geschichte der Kaiser; in drückendem Pomp umgingen ihn die Ritter mit blauen und roten Röcken. Eines Tages war ihm abgezwungen im fast schweigenden Hin und Her die Führung im kommenden Krieg: für die Gestellung der Heereshilfe mit den Streitkräften der Liga das unumschränkte Direktorium der katholischen Verteidigung bei Maximilian, absolute Gewalt im Kommando bei Maximilian; nicht Verhandlung noch Frieden ohne ihn. Und als der Kaiser unterschrieben hatte, war es an einem Montag gewesen, dem zweiten im Monat, an dem der Herzog Gerichtstag hielt, zwei Tage vor der Abreise, daß der Kaiser mit Maximilian eine lange Stunde in des Herzogs Sommerstube eingeschlossen verweilte. Die Stube lag zur ebenen Erde, gewölbt war sie, Figuren hatte Peter Candro an die Wände gemalt, blau und weiß war der Boden gepflastert; auf dem Sims im Umkreis prächtige Köpfe in Bronze, Marmor. Eine lange Stunde war nur zu hören Stampfen mit dem Fuß, klirrendes Hinfallen eines Degens, die flüsternde drohende beschwörende Stimme des Habsburgers; die langen Pausen vor den knappen befehlerischen Sätzen des Wittelsbachers, die aus der Stummheit kamen, wie Bulldoggen aus ihrer Wachhütte. Zwei stille Wartetage. Jähe Abreise. Der Kaiser erst gebrochen, dann finster.

„Ich schicke dem Grafen von Bristol so viele gewandte Herren mit, auf daß ihm nichts mißglücke. München ist eine Festung — der edle Herr wird davon wenig vernommen haben — die im heiligen Römischen Reiche, vielleicht auf der ganzen Erdfläche nicht ihresgleichen hat. Ja, lächle der edle Herr nicht; noch sieben Tage, und er wird mir glauben.“

„So geht der Bote des Königs Jakob einem ehrenreichen Strauß entgegen. Die Basteien des vielbenannten von Groote sollen mich locken.“

„Keine Ehre werdet Ihr ernten, Lord Dighby; ich will Euch lächeln lassen; Ihr ahnt nicht, wie vermessen Ihr seid. Eure Artillerie wird Euch in ein zwei Wochen nicht mehr bedünken wie ein Kinderstecken. Eure Artillerie wird Euch aus den Händen gerungen sein, ehe Ihr erkundet habt, wo der Feind steht.“