Er ließ sich Kissen in den Rücken schieben, die Vorhänge schließen, einen langsamen Schritt anschlagen. Diese Trockenheit in Bayern, klagte er. Er werde jedenfalls, wenn es denn sein solle, den Maximilian im Hintergrund beobachten fassen erwischen. Dabei blinzelte er seinen gespannt nachdenkenden Kanzler, die trübe ehrliche Gestalt, an, ob der ihm nicht irgendwie zuvorkäme. Der rang die Hände, hatte einen heißen Ton in der Kehle: „Was machen wir, Durchlaucht? Mein Heiland, die ganze Fahrt, die lange Fahrt; und Durchlaucht werden erschöpft sein.“

„Ja, erschöpft. Er hat es gefaßt, Kanzler. Ich bin erschöpft. Mehr als das, völlig unbrauchbar. Mir fehlt nur das Bett. Ich bin ein alter Mann.“

Er bat auch um das Kissen des Kanzlers: „Ihr seid ein verständiger Mann. Ich hätte keinen bessern mitnehmen können. Wir werden ein wenig schlummern.“

Während der Kanzler entsetzt Minute nach Minute zählte, sie sich den nördlichen Stadttoren näherten, schlummerte der Fürst oberflächlich, murmelte befriedigt, man dürfe in keinem Fall Dinge überstürzen; jeder sehe, daß er müde sei; er möchte das Weitere übernehmen. Als er zwischen den leicht gehobenen Lidern den Blick des Kanzlers erkannte, wiederholte er sanft: „Übernehmt nur das Weitere. Ich werde Euch Vollmacht erteilen.“ „Aber Durchlaucht.“ „Kanzler, Ihr braucht mich gar nicht viel fragen. Ich habe Vertrauen zu Euch; ich hatte es schon immer, konnte es nur selten offen äußern. In den Jahrzehnten, die Ihr um mich seid, habt Ihr die Grundsätze meiner Regierung genugsam kennengelernt. Ihr habt Euch längst — ich weiß ja, seid nicht zu bescheiden — alle Selbständigkeit in den Regierungsmaßnahmen erworben.“

Der wand sich, verneigte sich, errötete, hob die Finger an die Schläfe.

Der Fürst ließ den Wagen halten, schlief eine halbe Stunde. Er lächelte im Weiterfahren erquickt den andern an: „Ich habe, wenn ich Euch gelehrten und wohlerzogenen Mann betrachte, die wirkliche und ehrliche Meinung, daß Ihr die Neuburger Regierung ganz in meinem Sinn führen könntet. Als Nachfolger könnte ich mir niemand lieber wünschen als Euch. Wie schlapp bin ich. Doch ein müdes, morsches Haus.“

Als der Kanzler gebeten hatte in seinem Schreck, neben dem Wagen spazieren zu dürfen — er gedachte Zeit zur Überlegung zu gewinnen, indem er das Tempo des Wagens verlangsamte — blickte ihn der Alte, drin langhingestreckt, den rechten Arm anhebend, listig an; ob er auch das Galgenmännchen ordentlich drücke; dies sei die Hauptsache; dann passiere nichts; Maximilian trage wohl keins; da sei man ihm über. Im übrigen wisse er etwas; das Einfachste sei, der Kanzler vertrete ihn beim Herzog. „Tretet ihm ruhig entgegen. Lasset Euch von seinen Praktiken nicht imponieren. Ihr fühlt ihm auf den Zahn; wie leicht ist das. Übermorgen kehren wir heim oder einen Tag später, wenn das Wetter gut bleibt.“

„Und Ihr, Durchlaucht?“

„Und ich? Wir sind hier Fremder, ein Gast des Neuburger Pfalzgrafen. Macht Euch darum keine Sorgen. Ich werde Euch Direktiven geben, wenn ich mich restauriert habe.“

Wieder rang der die Hände, es ginge nicht, der Fürst als sein Begleiter, es ginge wider den Respekt, um Himmels willen, welche Verirrung, welche Verwirrung, welche Herausforderung göttlichen Grolls.