Questenberg dröhnte: „Die Kur an Bayern abgeben, heißt unmittelbar an den Säulen des Erzhauses rütteln.“

Harrach blickte rechts und links: „Zum wenigsten droht Gefahr. Vielleicht können wir sie noch bannen.“

Hoheitsvoll schüttelte Strahlendorf, der Vizekanzler, den gepuderten Kopf: „Man wird mich auf keinem Wege sehen, wo es gegen den frommen Kaiser geht. Die Maßnahme des Kaisers mag dem gewöhnlichen Geschäftsgang widersprechen, sie ist aber entsprungen einem echt katholischen Gemüt; der Jubel unserer christlichen Stände wird keine Grenze finden, wenn sie kund wird. Daß Bayern die Oberpfalz erhält, wird unausbleiblich sein; daß es den Kurhut an sich nimmt, werden spätere Zeiten zu den großen Beweisen unsrer Frömmigkeit rechnen; denn nun ist für alle Zukunft gesichert der katholische deutsche Kaiser. Halten die Herren dies fest; sie werden an dem Beschluß nichts mehr zu tadeln finden.“

„Und Kursachsen,“ schrie Questenberg, „und Brandenburg? Und England und Dänemark?“

Eggenberg unterbrach nachsichtig: „Es wird freilich schwer halten, die Kurfürsten nicht zu verstimmen. Und noch schwerer, Krieg zu führen.“

Der Abt lächelte, er verwaltete die Finanzen: „Schwer. Die Säckel sind nicht grade voll.“

Wieder regte sich Trautmannsdorf, der angestrengt den hageren hölzernen Reichsvizekanzler studiert hatte: „Es ist ausnehmend richtig, was mein Herr von Strahlendorf gefunden hat, daß die neue Wendung der Dinge einen Sieg der Frömmigkeit darstellt. In Zukunft, solange wenigstens das Heilige Römische Reich blüht, wird kein protestantischer Kaiser möglich sein. Dies ist ja auch unser aller Herzenswunsch. Aber gewiß ist auch das Gegenstück: der Grimm der protestantischen Kurträger, welche ja nunmehr noch dem Namen nach mitküren, jedoch nur essen dürfen, wie’s ihnen die Katholischen vorsetzen. Das wird ihnen nicht gefallen, sie werden versuchen, Einfluß zu gewinnen; sobald sie sich zusammentun, ist vereitelt, was grade gewollt war: es wird zwei Reiche geben, ein kaiserliches, freilich katholisches, und ein protestantisches. Das Reich ist zerfallen. Besser ist, sie nicht in die verzweifelte Minorität drängen; katholisch sein — aber mit ihnen.“

Strahlendorf warf ihm einen strengen Blick zu: „Der Krieg ist gewonnen. Der wahre Glaube hat gesiegt. Es ist folgerichtig, dem Katholizismus das verfallene Land und den verfallenen Kurhut zu überantworten. Das Gegenteil ist Schwäche.“

Laut seufzte der Abt: „Ach die Stärke. Möge der Herr mein Amt übernehmen. Tadle er uns nicht zu sehr.“

„So konkludiere ich:“ Fürst Eggenberg sah jedem einzelnen der Herren unter die Augen, „es ist das Recht des Kaisers, jene Maßnahme zu treffen oder getroffen zu haben. Es ist das Recht der Kurträger, sie nicht zu billigen. Voraussichtlich wird Streit mit den Kurträgern, sicher mit einigen Anhängern des Pfälzers entstehen. Wir müssen uns auf Unruhe und Krieg vorbereiten. Möglich ist eine schwierige Rivalität Wittelsbachs, besonders nach der Aufnahme ins Kolleg.“