Alle schwiegen bedrückt; ungebeugt nur Strahlendorf.
Der Abt hob den Finger: „Dies sind Fakta. Laßt uns Rat finden, Rat, wie einem möglichen Unheil begegnen.“
Viel ruhiger war der schwarze Questenberg geworden; er brütete, mit dem Rücken gegen die Wand, vor sich; wollte sprechen, hielt wieder an. Harrach streichelte ihm friedlich die Schulter: „Wenn der Blitz in ein Haus eingeschlagen ist, soll man nicht nur nachsinnen, wo man sich am besten hätte verstecken können, welche Gebete man hätte sprechen sollen, welche Heiligen anrufen.“ Mit tiefer Stimme Questenberg: „Ich weiß. Wir werden dem Kaiser nicht in den Rücken fallen. Das Geschehene ist schmerzlich, vielen unter uns ist es schmerzlich. Wir dienen alle unserm Kaiser. Mag unser liebwerter Fürst Eggenberg der Römischen Majestät mündlich, mit jeglicher Sanftheit, unsre Ergebenheit und unsre Bedenken, wie er sie vernommen hat, anzeigen.“ Trautmannsdorf flüsterte gespannten Gesichts eindringlich durch den Raum: „Vor allem: wir wissen nicht, was den hohen Herrn veranlaßt hat, wider seinen Willen der Durchlaucht in Bayern nachzugeben. Wir wissen es nicht. Es heißt auf der Hut sein vor der Durchlaucht. Es heißt, sich ergeben und entschlossen vor den Kaiser stellen. Jeglicher Wiederkehr vorbauen.“
Nachdem der erschöpfte Eggenberg mehrfach Schweigen über die Beratung anempfohlen hatte, damit es nicht erscheine, als ob Zwiespalt zwischen der Majestät und ihrem untertänigen Rat bestände, faßte man den Beschluß, die Übergabe der erledigten Kur an den Bayern nicht zu behindern, zugleich die Majestät um eine gemeinsame Audienz anzugehen.
Zu Mollert und Mansfeld lächelte der Kaiser auf dem Wege von der Kirche: „Es ist mir leichter, liebe Herren, es geht mir besser. Wie nennt man wohl den, der krank ist und versäumt, zum Arzt zu schicken?“
„Er ist sicher nicht — der Dümmste.“
„Laß nur, Mollert,“ winkte Ferdinand. „Vielleicht ist er nicht dumm, vielleicht ist er nicht klug. Wer eine Sünde begangen hat, soll beichten gehen.“
Nachmittags hörte er, sein Rat Eggenberg sei erkrankt, und als er ihn in seiner Wohnung aufsuchen wollte, hieß es, er sei aufs Land gegangen. Der Kaiser schickte ihm seinen Arzt Mingovius zu; Kaspar Frey fuhr mit, um zu fragen, ob von Dighby Depeschen da wären; Eggenberg möge sich im übrigen nicht zu früh nach Wien bemühen, sich recht pflegen. Die Antwort kam, es seien Depeschen von Dighby da; er schrieb, er hoffe die Festung bald niedergelegt zu haben; von andrer Seite sei mitgeteilt worden, Dighby hätte mit den Türken und Tataren gedroht, falls Maximilian nicht nachgebe.
„Der tolle Kerl,“ freute sich Ferdinand und staunte. Draußen blühte der Frühling, herrlich über alles Denken. Nach langem Hin und Her brachte der feine zierliche Doktor Frey heraus, er hätte verlauten hören, die Herren Geheimen Räte hätten sich betroffen gefühlt durch die Mitteilungen des Kaisers; eine — nun — eine sonderbare Stimmung herrsche unter ihnen.