Er sah den Mann neben sich strahlend an: „Ich zeig’s dir. Komm zurück. Ich schreibe ein großes Werk über die Geister. Die Weisheit muß verbreitet werden unter die Menschen. Aber es dauert alles so lange, hab ich gesehen, ein Buch jahrelang, jahrelang. Viele Weise sterben, grüner Löwe, ehe sie ihr Buch fertig haben. Und darum —“
Er sah zu, wie sich Ferdinand wieder in den Sand setzte, fragte gespannt: „Aber du verrätst mich nicht.“
„Nichts, nichts.“
„Es gibt viele, die mir alles absprechen und mich am liebsten umkommen lassen würden.“ Bang hob er den kleinen Tintenkrug unter dem Brett hervor, wies ihn: „Sieh selber, was ich für einer bin. Mein Buch ist, wenn unser Herr Petrus am Himmel will, bald fertig. Ich laß es dich zuerst sehen dann.“ Und der Kleine goß über einen frischen Bogen Papier einen Strom Tinte, fing an zu wischen, entzückt plappernd: „Sieh an, wie es geht. Sieh, wie es läuft. Ich mache es auf einmal. Da, eine ganze Seite auf einmal, aus dem Fäßlein kommt der Brunnen. Im Nu. Gewischt in die Ecke, eins, zwei. Ich bin nicht so dumm, mir Federchen schnitzeln, in die Tinten stoßen, Tröpflein herausfischen. Ja, glaub’s schon, kann lange fischen, bis das Fäßlein leer ist. Und wenn das Fäßlein nicht eintrocknet, fischen sie drei Jahre daran. Seht bei mir. Das ist der ganze Witz. Flink, hurtig, im Nu. Sieh her, Ferdel, hier unten.“
Auf dem Sand standen sechs kleine Krüge. „Seit gestern,“ flüsterte geheimnisvoll der Schalk, deckte sie rasch zu. „Ich hol die Krüglein aus deiner Kanzlei, sie schimpfen, daß sie weg sind; morgen setz ich ihnen mein erstes Büchlein hin, die Krüglein daneben: werden sie Augen reißen. Ist von Gespenstern, Hexen und allen sieben Gestirnen, hab mir weidlich alle ausgedacht und hurtig drauflosgeschrieben. O, was sie alles drin lesen werden; auch von dir, Ferdel, und meinen Feinden! Finden sich alle drin.“
„Nun muß ich sorgen, lieber Jonas, daß du Doktor werdest ohne Studium und Examen.“
Glücklich, die Händchen schlagend: „O, wann gibst du mir meinen Schmaus? O, du wirst sehen, es wird noch besser. Wenn du mich bloß nicht verrätst.“
„Nur zu trinken, Jonas. Feiern wir dich auf der Stelle; zeig mir, wo es in den Keller geht.“
„Komm, ich weis’ dir’s.“
Mütterlich deckte er seinen Platz ab. Dicht am Schuppen in die Mauer war eine niedrige kistenverstellte Tür eingelassen, an sie schob er sich heran; eine Stiege senkte sich herab; schwerer kühler Geruch schwoll herauf.