Peitschen schlugen von den Wagen nach ihnen; Steine sausten gegen sie.
Sie wichen aus: „Landstraße, Landstraße! Brüderlein! Schwesterlein! Bräutlein! Wollt Ihr mit, Hände beschauen, Göldrian verkaufen und Enzian?“
„Mühmchen Walpurga, Mühmchen Walpurga, du zartes, zierliches, komm herunter von deiner Frau Mutter. Bist kein Säugling mehr, lüpf dich zu mir. Hab’ einen großen Wulst von einem Italiener gestohlen, bündel ihn dir um den Leib, unter den Rock; verdienst mit mir Heller und böhmische Groschen. Was schenkst mir für meine Lehr?“
Wie sie neckend und geifernd herumsprangen, die Kappen hoben, die Beine wetzten, fuhren ihnen Flüche nach aus den Mündern der ruhig schreitenden Männer, der Sackträger mit den schweißtriefenden Backen, der Greise hinter den Hundekarren. „Der Gottseibeiuns über dich Schelm!“ „Meister, das ist herrlich gesagt. Euch kann es nicht fehlen. Ihr tragt Euer Glück im Mundwerk herum.“
„Verflucht säuischer Schalk.“ Da rekelte sich einer eitel im Feld, affektiert die schmutzigen unbewickelten Füße spitzend: „So bin ich verflucht, und Ihr nehmt meinen Dank an. Schaut mich: ich bin durch Euren Spruch nicht besser geworden, Meister. Es hat noch nichts genutzt; bin noch nicht schöner, nicht dicker, nicht artiger geworden. Wißt Ihr nichts anderes?“
„Stinkiger Lotterbub, tückischer Hund, gottvergessener Dieb.“
Kopfschüttelnd folgten sie in Entfernung, behaglich schwärmend, den finster Explodierenden: „Noch immer nichts, noch immer nichts.“
Die Steine sprühten, sie meckerten von weitem: „Wir werden Euch füttern müssen, wenn Ihrs nicht besser lernt. Was wollt Ihr mit Hunden? Haben sie Euch gebissen in Caslau, in Königgrätz?“
Bei Leitmeritz weitete sich das Elbetal, dichtblättrige schwerträchtige Obstbäume; grünende, braune, bläulich schillernde Reben auf den Hängen, Dörfer, Dörfer. Dahinter die langausgezogenen Bergreihen, umdünstete Kegel. Steiler wurde der Weg. Rechts und links der Radobil und Lobosch; Fichtenwälder. Die Nelken wuchsen wild; Maria hat sie auf dem Weg nach Golgatha geweint. Wo war nun Mütterchen Prag. Kleine Brunnen flossen vorbei; das näselnde Männlein, das daneben sitzt im grünen Rock, ohne Daumen an der linken Hand, es näht seine Stiefeln, hat rötliches Haar; es führt einen Topf für die Seelen der Ertrunkenen. Höher und höher, liebe Berge, liebe Fichten, liebe Quellen. Wie türmte sich das Gebirge auf, um sie nicht herauszulassen. Keiner sprang um sie, hier pfiffen nur Vögel. Kühler Nadelwald, Dörfer, die noch friedlich lagen vor den Kommissionen, Herrensitze, grüne Matten, Gehöfte. Und wie man noch eben die Füße über den satten Boden hatte schleifen lassen, als sauge man ihn ein, Schluchten und Wälle seufzend heruntergeblickt hatte, dehnte sich eine verwandelte platte Ebene vor ihnen aus, in die die Wagen, die Tiere Männer Kinder Frauen Wagen hineinfuhren, wie in ein Nichts sinkend, in dem sie selbst verschwanden, vom Himmel zur Erde und nach beiden Seiten gereckt. Die Stimmen verklangen, die Farben verliefen; Flächen, Flächen, menschenfremd, unnahbar für Lebendiges.
Blaugrüne Büsche der Sumpfkiefer umgingen sie ahnungsvollen Herzens, nach Heidepflanzen faßten sie, die die Finger stachen; der Moorboden wippte, sie tänzelten, schwankten. Blickten rückwärts, fingen an zu erschrecken, sahen die schwarzen Wälder nicht mehr. Unheimlich die Luft. Aus dem Boden vor ihnen krochen arme Leute hie und da; Hammer Piken und Eimer schleppten sie; grauer Staub, Erze; sonderbare Höhlen, mächtige Haldengänge, ungeheure Pingen. Tiefer sank der Boden ab, die Wagen rollten leichter, von Welle auf Welle sank der Boden, Moorheiden, finster verschwiegene Wälder. Langsam sanken sie alle, den Atem verhaltend, in ein fremdes Gebiet hin, hinüber.