Hier haben wir eine Verbindung aller nur möglichen sinnlichen Keime, des Sehens, Hörens, Sprechens und Schreibens. Und der Erfolg ist der denkbar beste bei unseren Schülern wie sie jetzt sind, d. h. noch gar nicht auf allen Sinnesgebieten genügend ausgebildet.
VIII. Wie stellen wir fest, welche Vorstellungsseiten uns fehlen und deshalb einzuüben sind?
Dazu fehlt es vorläufig an einem handlichen, vollkommen befriedigenden Verfahren. Aber einige Hinweise erlauben uns, ziemlich deutlich die vorwiegende Vorstellungsart zu erkennen.
1. Man beachte die Fehler in schriftlichen Arbeiten! Der Hörer verwechselt ähnlich klingende Laute, z. B. ä und ö mit e, s mit ß und z. Der Seher aber faßt die Form der Buchstaben scharf auf und stützt sich nicht auf den Klang, sondern aufs Wortbild. Der Hörer macht etwa Fehler: sagte — sachte, Hitze — Hitse, Haide — Heide, Lid — Lied. Davor bleibt der Seher bewahrt, weil sich ihm die Verschiedenheit des Gesichtsbildes schnell aufdrängt.
2. Der Seher merkt sich mehr die Mitlaute, weil sie dem Auge durch ihre Größe auffällig sind, der Hörer die Selbstlaute, die bekanntlich lauter klingen als die Mitlaute.
3. Der Seher kann meist genau angeben, wo eine bestimmte Stelle im Buche oder in der Arbeit zu finden ist, die andern können das nicht.
4. Der Seher buchstabiert lange Wörter leicht rückwärts wie vorwärts, was den beiden anderen Arten wesentliche Schwierigkeiten macht. Auch folgende Aufgabe vermag bei der Feststellung der Vorstellungsart zu helfen:
5. Man schreibe Gegenstände mit lebhaften Farben auf, dann Gegenstände, die starke Geräusche erzeugen! Beide Aufgaben sind 10 oder 15 Minuten lang fortzusetzen. Wer viel mit dem Gesicht arbeitet, wird bei der ersten, wer sich mehr aufs Gehör verläßt, bei der zweiten mehr Gegenstände aufschreiben.
Handelt es sich nun um Gedächtnisleistungen, die sofort von uns verlangt werden, so werden wir uns zunächst auf unser Vorstellungs- und Gedächtnisgepräge stützen, dann aber die Übung der anderen Sinne eifrig betreiben, damit sie später eine weitere Hilfe für uns werden.
In welcher Weise diese Forderung zu verwirklichen ist, möge noch durch folgende Beispiele erläutert werden: