Hier gilt es vorzubeugen. Das gelingt sicher, wenn man täglich insgesamt mindestens drei Stunden auf Wandern, leichtere oder schwerere Gartenarbeit, Sport und Turnen verwendet.

Unbedingt soll sich jeder deutsche Jüngling und jedes Mädchen dem Turnen und dem Turnspiele, dieser allseitigen, ausgeglichenen Ausbildung des Körpers, eifrig hingeben. Denn es ist wahrhaftig ein Jungborn der Menschheit und erhält geschmeidig bis ins späte Alter. Der Sport ist zwar meist einseitig, wohl auch kostspieliger als das Turnen, erzieht aber zu schneller Entschlußfähigkeit und Geistesgegenwart.

Es ist jedoch zu bemerken, daß Sport und Turnen, überhaupt körperliche Anstrengungen, wie wissenschaftliche Versuche beim Gewichtheben, Vorstellungsbinden und Vorstellungsergänzen festgestellt haben, neben der körperlichen auch gehörig viel geistige Kraft verbrauchen. Es fällt den Beteiligten nur nicht so auf, weil es lustbetonte Arbeit ist. Darum ist es empfehlenswert, auch darauf erst eine Erholung und Entspannung folgen zu lassen, ehe man sich wieder anstrengenden Tätigkeiten hingibt. Erwähnt sei schließlich noch, daß bei dieser Betätigung unter allen Umständen eine Erschütterung des Kopfes und des Rückenmarks zu vermeiden ist.

In einer Gesundheitslehre des Geisteslebens dürfen auch einige Bemerkungen über die beste Erholung, den Schlaf, nicht fehlen; denn ein Mensch, der durch den Schlaf noch nicht genügend gestärkt und neubelebt ist, der müde und abgespannt die Arbeit der Lerntätigkeit aufnimmt, leistet wenig oder gar nichts. Der wissenschaftliche Versuch zeigt uns nämlich, daß der Einfluß des körperlich-geistigen Wohlbefindens auf die Leistungsfähigkeit sehr groß ist.

Allgemein ist die Ansicht verbreitet, daß für den Erwachsenen mindestens acht Stunden Schlaf nötig sind. Wenn aber ein Bedürfnis für noch längere Ruhe vorhanden ist, so gebe man dem ruhig nach. Die Nacht sollte so wenig als möglich zur Arbeit verwendet werden.

Nach dem Mittagessen (12 Uhr) erreicht die geistige Leistungsfähigkeit infolge der Verdauungstätigkeit einen ganz beträchtlichen Tiefstand. Darum ist die geistige Arbeit sofort nach dem Mittagessen verfehlt. Entweder wird sie oder die Verdauung, meist beide, unter großer Kraftvergeudung ungünstig beeinflußt. Von 3 Uhr an steigert sich wieder die Arbeitsfähigkeit und erreicht gegen 5 Uhr ihren Höhepunkt am Nachmittag.

Bei Nervosität oder nach angestrengter geistiger Arbeit, die unbedingt mindestens eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen zu beenden ist, vermag mancher nicht einzuschlafen. Dem können wir nicht dringend genug unser Mittel der Entspannung empfehlen, wie wir es für Spaziergänger vorschlugen, nur daß an Stelle des Marschierens fortwährendes Zählen, etwa bis vier, einzutreten hat: Also Sammlung auf tiefe Atmung und Zählen, dabei mit geschlossenen Augen Festhalten eines vorgestellten Punktes. Dazu fasse man vertrauensvoll den festen Vorsatz, am andern Morgen recht frisch, munter und leistungsfähig aufzustehen!

Wir haben es hier mit der Einbildung zu tun, die aber ganz wesentlichen Einfluß auszuüben vermag. Es sei nur an die bekannte Tatsache erinnert, daß es fast jedem Menschen möglich ist, zu einer bestimmten Zeit frühmorgens aufzuwachen. Bei den meisten genügt hierzu der feste Vorsatz und der Glaube an den Erfolg.

Selbst bei schwerer Schlaflosigkeit läßt sich mit ähnlichen Mitteln viel erreichen. Natürlich ist es dann nötig, noch länger als eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen mit jeder geistigen Arbeit aufzuhören. Auch muß man sich tagsüber körperlich müde gearbeitet haben. Die Zeit vor dem Schlafengehen verwende man dann dazu, in einem schleppenden, ermüdenden Zeitmaß umherzuwandern, durch Schlaffmachen des ganzen Körpers sich Müdigkeit einzureden, bemühe sich, an nichts weiter als an die Müdigkeit zu denken, die immer mehr von Körper und Geist Besitz ergreift. Man vergesse aber ja nicht den gläubigen Vorsatz, am andern Morgen recht frisch und leistungsfähig aufzustehen.

Wenn ein Nervöser den Arzt zu Rate zieht, ist dessen erste Frage nach der Verdauung. Verstopfungen sind nämlich mitunter die allerersten Ursachen von Schädigungen des Nervengefüges, von Schwermut, Lebensüberdruß, ja sogar von Selbstmord und schweren Verfehlungen in geschlechtlicher Beziehung.