Und diese Schädigungen sind gerade bei Schülern infolge der sitzenden Lebensweise weit verbreiteter, als man nur ahnt. Da infolge der herrschenden falschen Scham diese außerordentlich wichtige Frage selten gestreift wird, will ich wenigstens in dieser Beziehung meine Pflicht erfüllen, denn es ist eine ganz gefährliche Klippe, an der schon manches Lebensglück gescheitert ist.

Es ist nicht zu empfehlen, mit Arzeneien, an die sich der Körper schnell gewöhnt, dagegen einzuschreiten. Ein Glas frisches Wasser am Abend und eins nüchtern frühmorgens wirken in den allermeisten Fällen. Wichtig ist Gewöhnung an eine bestimmte Zeit, dabei nötigenfalls Einbildungseinflüsse vor dem Einschlafen.

Dem Körper fremde Gifte.

Bei nervöser Schlaflosigkeit mit Kopfschmerz verordnet der Arzt Brom. Wie aber die Untersuchungen der Kräpelinschen Schule ergeben haben, schwächt dieses Gift das Gedächtnis, indem es die seelische Verbindefähigkeit herabsetzt. Unsere oben erwähnten naturgemäßen Mittel gegen Schlaflosigkeit sind entschieden empfehlenswerter als jeder Gifttrank, wenn auch Brom noch verhältnismäßig am unschädlichsten ist. Viel verbreitet ist als Schlafmittel

das Rauschgift.

In dieser Frage will ich nur Leuchten der Wissenschaft reden lassen.

Schon 400 Jahre vor Chr. Geb. wünschte Plato ein Gesetz, das den Knaben bis zu 18 Jahren den Wein verbietet. Ferner hat Kräpelin, Lehrer der Irrenärzte, an der Universität München, 1892 in einer wertvollen, vielbeachteten Arbeit: „Über die Beeinflussung einfacher seelischer Vorgänge durch einige Arzneimittel“ die Wirkung von Alkohol, Tee, Morphium, Äther, Amylnitrit usw. untersucht. Die Ergebnisse, zu denen er in bezug auf die Wirkung des Alkohols kommt, sind kurz folgende:

Einfache geistige Fähigkeiten mit und ohne Weingeistbeeinflussung können ja genau an den Leistungen gemessen und verglichen werden. Da zeigt sich, daß das Rauschgift geistige Leistungen verringert und verschlechtert, während merkwürdigerweise die Leute selbst glauben, besonders gut und angeregt zu arbeiten. An vielen Versuchspersonen wurden folgende Untersuchungen mit peinlich gewissenhafter Vermeidung von Fehlerquellen angestellt:

  1. die Zahl der Silben geprüft, die in fünf Minuten mit Betonung gelesen wurden, ebenso
  2. die Menge der Zahlen, die in derselben Zeit zusammengezählt wurden,
  3. die Zahl der Wiederholungen, die nötig waren, um zwölfstellige Zahlen zu lernen,
  4. die Zeit auf tausendstel Sekunden gemessen, die gebraucht wurde, um bei zwei verschiedenen Zeichen, etwa Klingel oder Erscheinen einer grünen Scheibe, entweder einen rechten oder linken Hebel loszulassen.

Höhere geistige Arbeit wurde verlangt, indem man zu sinnlichen oder rein gedanklichen (abstrakten) Wörtern schnell andere Wörter zu sagen hatte. Natürlich sind die Wörter am schnellsten da, die schon irgendeine Verbindung mit dem Reizwort haben, mit ihm verbunden oder gar verknüpft sind. Die Verknüpfung ist natürlich die höhere Leistung. Es zeigte sich, daß diese sinnvollen, gedanklichen Zusammenhänge (Apperzeptionen) nach Alkoholgenuß vermindert und durch bloße Vorstellbindungen (Assoziationen) ersetzt wurden. Und unter diesen fand ebenfalls ein weiteres Herabdrücken statt. Die wertvolleren Verbindungen, etwa daß beim Reizwort Tag einfiel: Licht, Sonne, Arbeit usw., werden durch solche ersetzt, wo noch weniger Sinn zu walten braucht: Mittag, Sonntag, Bach, mag usw. Hier ruft der Klang einen andern Klang geistlos ins Bewußtsein. Auch wurden viel Worte gemacht mit wenig Sinn. Diese Tatsache ist natürlich fürs Gedächtnis bedeutungsvoll.