»Ja, danke, leider!« erwiderte ich bitter.
Seine Augen sahen mich forschend an. »War Li Bai hier?«
»Gestern.« Ich schwieg einige Sekunden lang, nicht wissend, was oder vielmehr wie ich sagen sollte, was gesagt werden mußte.
»Er will nicht nach Europa zurück – er will auch seine Mutter nicht verlassen – und –« ich sank müde auf das Krankenlager zurück.
»Ka,« sagte er, »Sie sind ein tapferes Mädchen, das heißt, eine tapfere Frau!« verbesserte er sich. »Sie haben Jenny gegen meinen Willen vor – vielem – gerettet.«
Er berührte zum Abschied flüchtig meine Hand, eine seltene Gunstbezeugung, und sagte dann mit etwas wie Mitleid in der Stimme:
»Wenn Sie das Hospital verlassen können, so kommen Sie zu mir zur Bank und da – da werden wir sprechen.« Damit ging er.
Ein paar Tage humpelte ich mühselig zwischen den Betten auf und ab, um meinen Fuß wieder in Ordnung zu bringen, dann ging es besser, und eine Woche nach meiner Unterredung mit dem Mandarin durfte ich das Hospital verlassen.
Um zehn Uhr stand ich, schwach und vor Kälte trotz meiner Pelze heftig zitternd, vor der Bank meines Schwiegervaters. Vielleicht war es auch Aufregung, was meine Zähne so unheimlich gegeneinander klappern ließ. Derselbe Diener, der uns vor einem Jahre die Tür geöffnet hatte, schlug nun dieselbe für mich allein zurück, und ich stand vor dem Mandarin, der mich mit einer höflichen Handbewegung aufforderte, Platz zu nehmen.
Eine Weile saßen wir uns stumm und regungslos gegenüber, dann sagte der Bankdirektor mit einer Festigkeit und Unumwundenheit, die gegen alle chinesischen Grundsätze und alle Ueberlieferungen des Himmlischen Reiches verstieß: