Er entfaltete eine ganze Menge Seidenschleifen, die, einst irgendwie miteinander verbunden, die chinesische Flagge darstellen würden. Er reichte mir die Enden aller Bänder und hielt sie in der richtigen Ordnung, indem er mich bat, eine Schleife daraus zu machen.

Er hätte mich ebensogut bitten können, auf dem Kopfe zu stehen und ein Champagnerglas mit meiner großen Zehe zu präsentieren. Was anderen Mädchen ein Kinderspiel war, das war für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Ming Tse bemerkte dies auch bald und nahm mir die Bänder stumm aus der Hand.

»Sie passen besser zum Studium,« tröstete er mich lächelnd nach einer kleinen Pause, in der ich mir gewaltig dumm vorkam. – –

In den nächsten Wochen lernte ich Ming Tse, erleichtert durch folgenden Umstand, immer besser kennen.

Kaum eine Woche nach dem Eintreffen des Bildes fand ich ihn eines Tages sehr erregt vor, und seine ersten Worte überzeugten mich, daß etwas Außergewöhnliches vorgefallen sein müsse.

»Setzen Sie sich zum Feuer, Fräulein,« kommandierte er, »wir müssen etwas besprechen, bevor wir zu studieren anfangen.«

Ich gehorchte mit der gewünschten Eile und versicherte ihm, daß ich ganz Aug' und Ohr wäre.

»Ich habe meinen Geschichts- und Mathematikprofessor davongejagt,« teilte er mir kurz und bündig mit.

»Herrn L.?« fragte ich. »Warum doch nur?«

»Er wollte immer, daß ich zu ihm kommen sollte, und neulich war ich wirklich zum Tee bei ihm und seiner Mutter. Beide versuchten mich zu überreden, daß ich zu ihnen übersiedeln sollte, und seine Schwester war – sehr zuvorkommend gegen mich. Ich glaube, er wollte mich mit seiner Schwester verheiraten,« fügte er nach einer kleinen Pause hinzu.