»Nicht so sehr, sehr gut, nicht wahr, Fräulein, aber sehr begabt?« fragte er mich.

»Zu begabt!« rief ich ärgerlich.

»Mir liegt nichts an Mädchen,« versicherte mein kleiner Chinese mit überlegener Miene. »Nur Mädchen, die älter sind als ich und die viel wissen, die gefallen mir.« Pause, – während welcher ich mich einigermaßen zu fassen versuchte. »Und ich schaue nicht auf Schönheit wie Hoang-Zo,« erklärte er.

Er stellte Früchte auf den Tisch. »Kein Pulver,« versicherte er lächelnd.

»Gott sei Dank, daß dieser nette kleine Chinese kaum 22 und noch ein ganzes Kind ist,« dachte ich. Wie wenig ich doch Chinesen verstand!

Mein ehrwürdiges Alter war damals 23, also hätte ich mir auf meine Greisenhaftigkeit noch nicht allzuviel einzubilden brauchen.

Das war ein Streiflicht gewesen, das mir deutlich zeigte, wie sehr ihm daran lag, sich selbst als ersten gelten zu machen, wie wenig er es wünschte, andere Menschen bewundert zu sehen.

Er wußte, daß ich Indier sehr intelligent und sehr interessant fand. In der Villa, in der er wohnte, lebten auch Indier und es verging keine Plauderstunde, in der er mir nicht etwas Nachteiliges von ihnen erzählte.

»Herr Kashdartha ist ein schlechter Mensch,« sagte er eines Tages. »Er wird bald ein Kind haben.«

»Er wird bald ein Kind haben?« fragte ich ungläubig.