»Es sind nur die Schlechten von ihnen,« verteidigte ich.
»Die allermeisten,« erwiderte er lakonisch. »Viele aus guten Häusern, viele verlobt mit anderen Männern,« fügte er hinzu.
Ich wußte, daß er recht hatte und es tat mir leid, daß wir den fernen Asiaten ein so entsetzliches Vorbild gaben, wir, die wir auf unsere höhere Moral so stolz und von ihr so überzeugt sind.
Sobald ich auf die Elektrische gesprungen war, blieb Ming Tse regungslos stehen und winkte mit seiner kleinen, zierlichen, braunen Hand noch einmal zu mir herauf, während ich ein gleiches tat, bevor ich hineinging und der Wagen sich in Bewegung setzte.
Noch jetzt steht klar das Bild des kleinen Chinesen vor mir, wie er unbeweglich stand und mit der Hand herübergrüßte zur Elektrischen, zu mir.
Schade, daß uns das Schicksal damals nicht getrennt hat.
VII.
| Oh la povera barchetta |
| sola sola in alto mare! |
| Alto mare anche la sponda, |
| se nessuno e ad aspettare. |
| C. R. Vani. |
VII.
Nirgends auf der weiten, weiten Welt ist es schön, wenn man allein ist. Umgeben von schneegekrönten Bergen mit oft sichtbarem Alpenglühen, von Nadelwäldern, wo man hundert eigenartige Baumformen vor sich sieht, oder am Meeresstrand, wo sich die Wellen an den scharfen Klippen donnernd brechen, in lieblichem Tale, wo Blumen aller Arten das Auge erfreuen, wo Getreidefelder wie Meeresfluten vom Winde bewegt auf und nieder wogen, da kann man die Einsamkeit fühlen. Aber dennoch mag das aufrührerische Herz dann nach jemand rufen, der es ganz versteht. Gleichgültige Menschen oder die Menschen, die uns nicht begreifen, für die wir ein Rätsel sind und die uns »verändern« wollen, weil ihre Eigenart der unsrigen wie ein Positiv und Negativ gegenübersteht, die mildern nicht die Einsamkeit – sie vergrößern sie unter Umständen.