Zwischen den beiden Stunden brachte die Dienerin jedesmal den Tee, und Hoang-Zo forderte mich auf, daran teilzunehmen. – Er schien die Lage der chinesischen Frauen für gar nicht so schrecklich zu finden als sie uns hier dünkt. Heutzutage gab es viele Schulen für Mädchen, die Füße wurden ihnen nicht länger verkrüppelt, sie lernten oft sogar fremde Sprachen und wurden, seiner Ansicht nach, von den Gatten gut behandelt.

»Wirklich?« fragte ich etwas ungläubig.

»Gewiß,« entgegnete er. »Auch der chinesische Gatte liebt seine Frau, aber allerdings ist uns Ritterlichkeit gegen die Anhängerinnen des zarten Geschlechts unbekannt,« fügte er hinzu.

Als dieses Gespräch stattfand, mochte ich etwa drei oder vier Wochen seine Schülerin gewesen sein. Ich dachte einige Augenblicke über seine Bemerkung nach und sagte dann aus der Tiefe meiner Ueberzeugung heraus:

»Ja, es muß schrecklich für eine Europäerin sein, sich in diese Verhältnisse einzuleben,« und mit einem entschuldigenden Lächeln für unsere Schwäche fügte ich hinzu: »Wir sind so gewöhnt, daß ein Mann uns mit dem Anlegen eines Mantels hilft, uns die Tür öffnet und so weiter, obschon wir es ja ebensogut selbst tun könnten.«

»Das ist selbstredend Ansichtssache,« meinte er.

Als es Zeit zum Aufbruch wurde, war ich überrascht, zu bemerken, daß er mir in den Regenmantel half und mir die Tür angelweit aufriß. Erst als ich wieder auf der Gasse stand, erinnerte ich mich meiner unbedachten Worte und ärgerte mich, daß ich, ohne zu wollen, etwas gesagt hatte, was er möglicherweise als eine Zurechtsetzung empfunden. Ich nahm mir vor, in Zukunft besser aufzupassen.

Da ich den Vorzug hatte, sehr viele nette Asiaten – zumeist Indier und Japaner – zu kennen, fragte ich ihn eines Tages in der Teepause, wo sich unsere Konversation um alles erdenkliche drehte, ob er eine Ehe zwischen Asiaten und Europäern für angezeigt hielt.

»Zwischen den südlicheren Nationen Europas und Chinesen dürfte es ratsam sein, da sowohl der Charakter als auch das Aeußere – die dunklen Augen, das dunkle Haar und der dunklere Teint – mehr zusammenpassen. Mit Germanen, Skandinaviern oder Engländern wäre dies indessen weniger angezeigt, da Kinder solcher Ehen oft ein unangenehmes Aussehen haben – sehr oft grellrotes Haar und wasserblaue Augen zu einem dunklen Gesicht,« entgegnete er mit seinem unergründlichen Lächeln, von dem ich nie wußte, ob es Spott, Wohlwollen oder herablassende Nachsicht ausdrücken sollte.

»Und sind solche Ehen glücklich?« fragte ich und sperrte meine Augen erwartungsvoll auf.