Ich war in den verschiedensten Boarding-Houses gewesen, aber nachdem ich allerlei schlechte Erfahrungen bezüglich Gesellschaft und Kost gemacht, entschloß ich mich, nur ein Zimmer zu mieten und mich selbst zu beköstigen. Im Anfang verlegte ich mich, da ich im glücklichen Besitze eines Spiritusherdes war, auf so hochgehende kulinarische Leckerbissen wie Makkaroni, aber da diese die leidige Angewohnheit hatten, gerade wenn ich mit etwas anderem beschäftigt war, über den Rand der Pfanne zu gucken und Ausflüge auf den Boden zu machen, und weil sie andrerseits sich oft darauf steiften, daß ein Teil von ihnen hart blieb, der andere aber höchst zuvorkommend schon zerfiel, bevor er den Teller erreichte, gab ich es auf. Ich versuchte es mit Eiern, und auch da war alles »gut Glück« und nicht Wissen. Am sichersten waren hartgesottene Eier, denn wenn sie einmal hart waren, konnten sie natürlich nicht weicher werden, aber die weichgekochten und von mir vorgezogenen Eier, die waren eine Quelle der Enttäuschung für mich. In die große Pfanne, ich hatte nur eine, da ich als »ewiger Jude« nicht eine Kücheneinrichtung mit mir schleppen wollte, gingen sie sehr gut, aber heraus wollten sie nicht. Ich fischte und fischte mit dem Teelöffel nach dem Ei, meist so lange, bis das Ei hartgesotten war, einmal mit dem Erfolg, daß ich es wirklich herausbrachte und sogar mit Schwung an mir vorbei und auf den Boden, wo es sich als Eierspeise servierte, und beim letzten Male meiner Eierkochversuche sprang das Ei davon, das siedende Wasser über meine Hände und Kleider und die treulose Pfanne auf meine Füße, während der Spiritus in voller Flamme diese Gelegenheit benützte, sich an meinem Rockzipfel schadlos zu halten. Ich schrie wie am Spieß und habe seit jener Zeit nur mehr Tee gekocht. Dabei wagt man wenigstens nicht sein Leben.
Um auf die Wärmevorrichtung meines Gemachs (Loch scheint mir indessen zutreffender) zurückzukommen. Ich hatte einen offenen Kamin in meinem Zimmer, wie sie in England gang und gäbe sind, an welchem man sich auf der einen Seite rösten kann und auf der anderen erfriert, ausgenommen man dreht sich wie ein Kreisel die ganze Zeit um die eigene Achse. Als ich jedoch die ersten Heizversuche unternahm, bemerkte ich zu meiner Freude, daß eine dichte Rauchwolke die Luft verpestete, und als meine Rufe die dicke Hausfrau alle Stockwerke heraufgebracht hatte, erklärte sie mir mit dem Gleichmut, der diese Klasse weiblicher Wesen auszeichnet, daß sich der Kamin nur heizen ließe, wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung bliese. Die für ihn passende Richtung habe ich nie herausgefunden – wahrscheinlich ist sie in der Windrose nicht zu entdecken. Sie tröstete mich damit, daß der Rauchfang des Hauses an meiner Wand vorübergehe und ich es daher immer hübsch warm haben werde. Hübsch hatte ich es dort nie, und warm noch weniger, aber im weitesten Sinne hatte sie recht. Dank dem Schornsteine und dem milden englischen Klima überstand ich den Winter lebendig, aber man darf sich nicht wundern, wenn ich unter solchen Umständen alles aufbot, so wenig wie möglich daheim zu sein. Scherzend sagte ich oft zu meinen Kollegen:
»Wenn ich nicht eine so große Abneigung gegen das Heiraten hätte, würde ich mir wirklich einen Mann nehmen, um eine Häuslichkeit zu haben.«
»Und wer würde kochen?« fragten sie mich.
Ich dachte an meine mißglückten Kochversuche und meine Abneigung gegen derlei Beschäftigungen.
»Und Strümpfe stopfen und so weiter?«
»Auch er,« entgegnete ich lachend.
»Und Geld verdienen, wer soll das?«
»Ich!« Dazu allein war ich gern bereit. Ich verdiente sehr viel mit meinen Sprachkenntnissen – ihnen verdankte ich auch meine Anstellung beim Amt –, aber für andere Sachen war ich so untauglich wie möglich. In meinen Interessen, meinen Fähigkeiten, meinen Tugenden und meinen Untugenden war ich Mann – meine Kleidung und mein Körperbau verdammten mich zur Mädchenexistenz mit allen ihren Schattenseiten. Das war auch der Hauptgrund meines freiwilligen Exils. Mama und Jenny konnten mich nicht verstehen, und erstere sagte immer: