Von der Decke hingen unzählige Lampions nieder, die über das ganze Gemach ein rötliches Licht ergossen. Eines nach dem anderen wurde von Li Bai vorsichtig ausgelöscht, bis nur ein kleines Lämpchen in der östlichen Zimmerecke brannte.

Li Bai legte seine Arme zärtlich um mich, küßte mich (er hatte wirklich diese Kunst, wenn man die kurze Uebungszeit in Betracht zieht, ganz unglaublich gut erlernt) und sagte lächelnd:

»Ein Licht muß im Schlafgemach zweier Gatten immer brennen, das ist chinesische Sitte. Es stört dich doch nicht?« fragte er.

»O nein,« erwiderte ich, mich an ihn schmiegend, »aber warum verlangt die Sitte es so?«

»Damit die Kinder alle sehend auf die Welt kommen – wenn kein Licht brennt, werden sie blind geboren.«

Obschon wir in Europa dies nicht glauben, fügte ich mich willig. Von jetzt an war ich wirklich eine – Chinesin.


A. F. Seebacher   

XIV.

Wie heilt sich ein verlassen Herz,
Der dunkeln Schwermut Beute?
Mit Becher-Rundgeläute?
Mit bittrem Spott? Mit frevlem Scherz?
Nein, mit ein bißchen Freude.
C. F. Meyer.

XIV.