Am Morgen des folgenden Tages sprach Mama zum Mandarin darüber und sagte, daß ihre Geschäfte es nötig machten, nach Europa zurückzureisen, wenn sie auch nur mit blutendem Herzen von ihrer lieben Tochter Käthe schied; doch sie wisse sie ja in guten Händen usw. usw., was Mütter eben unter solchen Umständen zu sagen pflegen, ob es nun wahr oder nicht.

Der Mandarin äußerte eine Reihe höflicher Klagen und stimmte ihrem Entschluß hierauf vollkommen bei, nur sagte er, daß sie sehr gut ihre Geschäfte allein besorgen könne, und daß Jenny noch einige Monate bei mir bleiben müsse.

»Aber Mandarin,« rief meine Mama, »Jenny ist ein heiratsfähiges Mädchen und nun ist die Zeit, sie daheim auf Bälle zu führen und ihr einen passenden Mann zu suchen.«

»Und wenn,« fragte der Mandarin langsam, »und wenn Jenny nun hier einen Mann finden würde, der reich ist und ihr eine glänzende Versorgung bieten könnte?«

Mein Herzschlag stockte. Sollte der Mandarin ernstlich daran denken, Jenny seinem zweiten Sohne Chung-Fu als Konkubine zu geben, oder wollte dieser unter irgendeinem oberflächlichen Vorwand sich von seiner chinesischen Gattin scheiden lassen, um Jenny an sich zu knüpfen? »Ach, das ist wohl ausgeschlossen,« dachte ich.

»Chinesen heiraten gewiß nicht gern Europäerinnen und –«

»Und wenn sich nun so eine Partie doch fände?« unterbrach der Mandarin meine Mutter.

»So wäre dies auch ganz umsonst, selbst wenn er der reichste und beste Mann wäre!« sagte ich, indem ich mich erhob und auf die beiden Sprechenden zutrat.

Die Augen des Mandarins öffneten sich nicht, nur die Lider zuckten, und ich hatte das Empfinden, als ziehe sich eine tiefe Linie von jedem Augenwinkel gegen die Schläfen zu. Er war ganz, ganz ruhig, und seine Stimme klang sehr gelassen, aber mit eisiger Kälte durchzittert, als er sein Haupt leicht mir zuwandte und fragte:

»Und warum?«