»Ja, warum, Käthe? Wäre es nicht ein Glück für Jenny –?«

Ich bebte innerlich vor Entrüstung. Wäre Mama wirklich imstande, Jenny um schnöden Geldes willen an einen Chinesen zu verkaufen und allein nach Europa zurückzureisen? Ich betrachtete sie. Sie war noch heute eine hübsche und vor allem eine elegante Frau – sie würde sich wahrscheinlich wieder verheiraten, sobald ihre Töchter erfolgreich verschachert worden waren. Aber nein, Jenny sollte ihr Glück nicht verscherzen, sollte es nicht verlieren um selbstsüchtiger Pläne anderer willen, daher sagte ich ruhig und entschlossen, wie ich es wohl sonst nie gewagt haben würde, dem Mandarin zu antworten:

»Weil meine Schwester schon heimlich verlobt ist!« sagte ich und blickte Mama unverwandt an.

»Seit wann bestimmen Kinder selbst über ihr Geschick und seit wann ist der Wille der Tochter maßgebender als der der Mutter?« fragte der Mandarin und seine Augen ruhten vernichtend kalt und streng auf mir. Wenn er böse gewesen wäre, wenn er mit blitzenden Augen auf mich zugetreten sein würde, da hätte ich mich lange nicht so unheimlich berührt gefühlt, als von der kalten, vollkommen ruhig gestellten Frage und dem ausdruckslosen Gesicht, auf dem sich nicht eine Miene verzogen hatte.

»In Europa bestimmen wir selbst über unsere Zukunft!« erwiderte ich mit äußerster Gelassenheit.

»Mit wem ist Jenny verlobt?« fragte Mama.

Jetzt hieß es va banque spielen.

»Mit Doktor Emil Wurmbrandt!« sagte ich.

Jenny war glücklicherweise abwesend – ihre Verlegenheit, ihr Zögern hätte alles verderben können. Ich blickte Mama fest an und sagte mit Nachdruck:

»Der Doktor wird in wenig Jahren eine schöne gesellschaftliche Stellung haben – seine Eltern sind wohlhabend und einflußreich – Jenny paßt nur zu einem Europäer!« sprach's und wandte mich ab.