Abb. 11. Die Druckplatte im Spannrahmen.
Dieser Rahmen wird derart auf das Druckpapier gelegt, daß letzteres von der untenliegenden Platte in den Ausschnitt des ersteren gepreßt wird. ([Abb. 12]). Platte, Papier und Rahmen liegen nun unverrückbar aufeinander. Über den Rahmen wird nun ein Blatt sehr zähen, glatten Packpapiers gelegt, welches viel größer sein muß als die Kupferplatte. Zur folgenden Manipulation bedienen wir uns eines Beinstabes, welcher die Form und Größe einer rechteckig gegossenen Siegellackstange hat.
Abb. 12. Die Druckplatte im Spannrahmen (Querschnitt.)
Der Querschnitt dieses Stabes ist ein Rechteck, von 2 cm : 1 cm Seitenlänge. Am Ende des Stabes sind die Basiskanten leicht abgerundet, damit das damit zu bearbeitende Papier nicht verletzt werde. Im Notfalle leistet eine Tischgabel mit prismatischem Beingriff ganz denselben Dienst; nur müssen die Kanten, wie gesagt, abgerundet sein.
Mit der linken Hand drücken wir das oben liegende Reibpapier flach an, während wir mit dem Beinstab in der rechten parallel zu einer Plattenkante in engem Zickzack über das freie Rechteck des Rahmens derart reiben, daß die Strichflächen übereinandergreifen. Dieses Reiben muß mit Nachdruck erfolgen; das Druckpapier soll auf diese Weise in die feinsten Furchen der Platte gepreßt werden. Die Handhabung zeigt [Abb. 13]. Sorgfältig zu achten ist darauf, daß kein Streifen von der Reibung verschont bleibe; also recht langsam mit den einzelnen Strichen weiterrücken! Am besten gelingt die Sache wie folgt: Erst von rechts nach links reiben, dann ebenso langsam zurück; dann im rechten Winkel dazu wieder über die Platte und zurück. Diese Arbeit wird stehend verrichtet, denn sie erfordert freie Beweglichkeit. Ist das Druckpapier nicht zu stark, so sieht man bei abgenommenem Reibpapier, daß es in die Furchen bereits eingedrückt ist. Bei minder dicken Papieren schimmert auch die Druckfarbe durch. So unmerklich fast diese Erscheinung auch ist, so dient sie doch zur Orientierung, wo und ob vielleicht irgendwo nachzureiben ist; man kann dann mit mehr Beruhigung annehmen, daß alle Teile des Bildes mit dem Beinstabe übergangen wurden. Japanpapier erfordert eine sehr geringe Kraftanwendung, das Bild erscheint beim Reiben auf der Rückseite sehr deutlich mit all’ seinem Detail. Auch Filtrierpapier verlangt eine minder kräftige Behandlung. Im allgemeinen muß umso kräftiger gerieben werden, je trockener das Papier ist. Sollte der Beinstab auf dem Reibpapier nicht glatt laufen, so kann letzteres mit Graphit besser gleitend gemacht werden. Es genügt vollkommen, wenn man das Reibpapier mit sehr weichem Bleistift bestreicht.
Abb. 13. Das Anfertigen eines Abzugs mit dem Beinstab.
Nach Beendigung unserer Arbeit wird zuerst das Reibpapier beiseite gelegt, dann der Papprahmen abgehoben. Wir sehen das Papier fest an der Platte haften. Mit einiger Vorsicht ziehen wir es an einer Ecke in die Höhe, indem wir dafür Sorge tragen, daß das Bild nicht die Platte streift, und der Abdruck ist fertig. Der erste wird nicht auch schon der beste sein, aber das, was erreicht wurde, wird, so mangelhaft es auch immerhin ausgefallen sein mag, gewiß zu wiederholten Versuchen aneifern; man bedenke nur, wieviele Faktoren hier das Gelingen beeinflussen! Gewiß wird der, welcher sich vor dem Abziehen des Druckpapieres noch einmal fragt: »War das Druckpapier nicht vielleicht zu trocken, war es zu naß?; ist die Druckfarbe nicht vielleicht zu dünn, oder zu steif gewesen?; habe ich zu lang gerieben, zu wenig, oder zu kräftig –?« nicht von einem glücklichen Zufall erwarten wollen, daß der erste Abdruck nichts mehr zu wünschen übrig lasse! Hier heißt’s eben »Erfahrung sammeln, Übung erlangen!« und daß dies nur von fleißigem, unausgesetztem Überlegen und Probieren zu erwarten ist – wer möcht’ es leugnen?!