»Alter Winkel in Olmütz«, Radierung von Alois L. Seibold
Wiedergabe eines mit dem Beinstab gewonnenen Plattenabzuges
Manchmal kommt es vor, daß der Druck nicht von der Platte will und zu fasern oder gar zu reißen droht. In diesem Falle legt man die Druckplatte samt dem Papier auf eine heiße Metallplatte und wartet eine kleine Weile. Von der durchwärmten Platte läßt sich der Druck dann leicht und ohne zu reißen abheben.
f) Das Drucken auf maschinellem Wege.
Das in den vorigen Absätzen erörterte Druckverfahren beschränkt sich lediglich auf ein Arbeiten im stillen Kämmerlein, und wenn auch die Fertigkeit des Radierers im Abdrucken zu einem so hohen Grade gebracht werden kann, daß das Erzeugnis der Hand dem des Walzendruckes nicht nachsteht und in allen Ehren ein Geschenkblatt für einen engeren Kreis von Freunden repräsentieren kann, so ist eine größere Auflage von Abdrücken in dieser Weise zum mindesten nicht rationell. Für Massenauflage bedienen wir uns der Kupferdruckpresse. [Abb. 14.] Das Prinzip des Abdruckens bleibt das gleiche, nur daß hier das Anpressen des Druckpapieres an die eingeschwärzte Platte von zwei Walzen besorgt wird. Unsre heutigen Druckwalzen bestehen aus Stahl, und die Achsenlager der oberen Walze sind nicht in fester Verbindung mit dem Tragrahmen, sondern verschiebbar. Sie drücken nach oben gegen eine dicke Einlage aus Pappendeckel oder Leder, also gegen eine sehr starke Federung. Mittelst Stellschrauben läßt sich diese obere Walze für verschiedene Spannungen einstellen. Die obere der beiden Walzen wird von einem Kurbelrad mit Zahnrad-Übersetzung in Bewegung gesetzt.[4]
[4] Früher diente ein Hebelkreuz zum Drehen der aus hartem Holze hergestellten Walzen.
Zwischen den beiden Walzen befindet sich eine sehr starke Eisenplatte, die zur Aufnahme von Druckplatte, Papier und Filz dient. Sie soll mit dünnem Zinkblech belegt sein, damit das feuchte Druckpapier auf ihr nicht Rostflecken verursache. Mittelst der Kurbel erfolgt unter großer Spannung der Walzen das Durchziehen des Druckobjektes, das andere Tischblatt nimmt dasselbe auf.
Abb. 14. Schema einer Walzenpresse.
Dem Kupferdrucker stehen Mittel zu Gebote, das Ansehen einer Radierung in gewissem Maße zu heben. Mit unsren bescheidenen Mitteln schon können wir selbst die Wirkung des resultierenden Bildes verändern. Zu solchen Mitteln gehört das »Tonen« der Platte: Bevor dieselbe abgedruckt wird, kann sie noch eine feine Lasur von Druckfarbe als Überzug erhalten. Man erreicht dies durch Überwischen der bereits »reingewischten« Platte mit dem Ballen der Hand oder durch sehr sanftes Streichen mit dem locker gehaltenen Wischtuch. Die Wirkung einer derartigen Behandlung zeigt sich im Abdruck als ein die Härten der Strichlagen verbindender Ton, der namentlich bei Drucken auf weißem Papier angenehm empfunden wird.
Hier gilt eben auch der goldene Satz von der Ehrlichkeit in den Mitteln, der jedwedes Kunstschaffen beseelen soll. Darum lernen wir ja mit zielbewußtem Bemühen die Platte selbst mit den Mitteln der Ätzkunst in einen Zustand zu bringen, daß sie unsre künstlerische Endabsicht klar wiedergebe. Was darüber hinausgeht, ein Herumklügeln und Herumwitzeln mit Druckfarbe und Wischlappen ist nach meiner bescheidenen Meinung keine reine Technik mehr. Oder sollen wir, wenn wir mit Nadel und Ätzwasser zu Ende sind, gar noch anfangen die Platte überdies zu »bemalen«, bevor wir sie abdrucken?