„Sie sind aber doch verheirathet?“ fragte Theodora.
„Nein,“ antwortete Horazio; „seyn Sie aber versichert, daß Donna Blanca bey mir mit aller Ehrfurcht behandelt wird, die ihrem Range gebührt.“
„Daran trage ich auch nicht den geringsten Zweifel,“ erwiederte sie.
Unter diesem Gespräche war die Dämmerung eingefallen; man steckte Lichter an, und eine Magd meldete, daß Don Diego de Orozo im Vorzimmer wäre. Horazio war bereit, sich zu entfernen; aber Theodora bath ihn, zu bleiben, da der Besuch nicht von Belange wäre. „Es ist nur ein Freyer um Louisen,“ sagte sie, „der ihr aber, wie mehrere andere, nicht ansteht, weil er so wenig Welt, und über dieß auch nicht hinlängliches Vermögen hat, um ein Weib standesmäßig zu ernähren.“ Nun trat Don Diego ein; man reichte ihm einen Stuhl, und sprach eine Weile von gleichgültigen Dingen. Da er sah, daß ihm Mutter und Tochter ungünstige Blicke zuwarfen, sprach er: „Ich habe Donna Louisa schon seit mehrern Tagen in übler Laune gefunden; ich habe denn heute versuchen wollen, ob ich sie nicht aufzuheitern im Stande bin. In dieser Absicht hab’ ich einen geschickten Tonkünstler mitgebracht, den man auch bey Hofe gerne hört, und der Sie ein wenig unterhalten soll.“ Man fand seinen Antrag sehr artig; der Tonkünstler trat ein, nahm sein Instrument zur Hand, und sang mit einer sehr angenehmen Stimme ein schmelzendes Adagio. Mit einem Mahle änderte er aber den Ton, und sang unter verschiedenen Grimassen folgendes Lied:
Liebe Inez, höre mich,
Höre mich doch an!
Liebe Inez, liebe mich;
So bin ich dein Mann.
Deine Schönheit thu’ ich kund,