In Gedanken, glaub’ es mir,
Bin ich auch des Nachts bey dir.
Der Genuese küßte ihn, und die Damen waren so artig, ihm Beyfall herüber zuzuklatschen. So albern der Bursche war, hatt’ er doch, wie gesagt, seine eigene Weise, und war überhaupt so gewandt und launigt, daß man ihm nicht abhold seyn konnte. Auch unsere schöne Wittwe hatte diese Serenate so unterhalten, daß sie den folgenden Tag wieder zu ihrem Nachbar hinüberschickte, und ihn zu sich bitten ließ. Das Gespräch ward immer lebhafter, und der Genuese gerieth, bevor er dessen gewärtig gewesen war, in solche Flammen, daß er seinem Triebe, sich näher zu erklären, nicht länger widerstehen konnte: er sagte ihr tausend abgeschmackte Schönheiten, küßte ihr die eine Hand um die andere, warf so feurige Blicke, wie eine Katze in der finstern Kammer, und geberdete sich, mit einem Worte, so läppisch, daß sich Louise und ihre Gesellschaft darüber kaum des Lachens erwehren konnten. Sein Meisterstück kam aber erst nach. Ein leichtes Zittern, das Wechseln der Gesichtsfarbe, und ein beständiges Trippeln gingen voraus: endlich sprang er wie einer, den der Fieberanfall packt, vom Stuhle auf, und bath Louisen, mit ihr einige Worte unter vier Augen sprechen zu dürfen. Louise sah deutlich, wo das hinaus wolle, und führte ihn sogleich in ein Nebenzimmer. Hier ließ sich der alte Bock auf seine vordern Knie nieder, und beichtete ihr die Sünde seines verliebten Herzens, das für sie in hellen Flammen stehe, und nur durch einen plötzlichen Aufguß von Gegenliebe zu löschen sey. Louise nahm seine Liebeserklärung mit vieler Schonung auf, und sprach lächelnd: „In der That, mein Herr, Sie haben mich überrascht, und am wenigsten hätt’ ich eine solche Verwandlung von dem Mann’ erwartet, der vorgestern noch seinen Balcon mit Bretern verschlagen lassen wollte. Auch muß ich Ihnen gestehen, daß es mich Wunder nimmt, wie ein Mann, der doch eben nicht mehr in den blühenden Jugendjahren ist, und manches erfahren zu haben scheint, mit diesem — erlauben sie mir, daß ich es sagen darf — hastigen Geständnisse eine Wittwe in Verlegenheit setzen kann, die noch nicht vierzehn Tage das Trauerkleid trägt.“ Der Genuese wollte sich entschuldigen, stotterte aber, daß ihm nicht eine ordentliche Sylbe gelang. „Indessen,“ fuhr Louise fort, und lächelte, daß es einen Todten im Grabe hätte wecken können, „indessen muß ich Ihnen sagen, daß ich eitel genug bin, über keine Erklärung, und käme sie noch so zur Unzeit, aufgebracht zu werden; und einem Manne zu gefallen, dessen Herz nicht zum ersten Mahle gewonnen wird, ist mir immer schmeichelhafter, als wenn ich ein Jünglingsherz berücke, das noch niemahls ins Freye kam.“ „O Sie geben mir das Leben wieder,“ sagte Antonio, und einige Thränen suchten durch die Furchen seiner Backen abzufließen; „darf ich also hoffen?“
„Bester Antonio!“ sagte Louise, „was wird unsere Gesellschaft denken, wenn wir an unsern wenigen Worten so lange zu sprechen haben?“ Mit diesen Worten ging sie in das Gesellschaftszimmer zurück, und Antonio folgte ihr ganz verstört nach.
Indessen glaubte er doch in ihren Blicken mehr als Nachsicht zu lesen, und war diesen Abend so inniglich vergnügt, daß seine ganze Großmuth erwachte, und er ihr ein Paar Handschuhe und einen Fächer überreichte, die er aus Mexico erhalten zu haben vorgab, um ihren Werth doch einiger Maßen zu erhöhen. Louise erklärte nun, daß sie wünsche, ihrem Nachbar seine Musik mit einer andern erwiedern zu können. Es war schon ziemlich spät, und Antonio mußte sich Wohlstands halber empfehlen; er muthmaßte aber, daß ihm Louise das Vergnügen machen würde, ihn ihre Engelstimme hören zu lassen, und setzte sich denn mit Leonardo auf seinen Balcon. Beyläufig nach einer halben Stunde erschien Louise wirklich, von Felicianen allein begleitet, mit einer wohl gestimmten Guitarre, auf dem ihrigen, setzte sich, und sang:
Einsam irrt die fromme Taube,
Findet nirgends Ruh’,
Flattert traurig in die Laube,
Girret ihrem Tauber zu.
Weit von hier ist er geflogen;