„Der Mann,“ sagte Antonio, „von welchem der Brief kommt, ist ein ungemein ordentlicher und sehr reicher Mann, und der, an den der Brief gehört, ist es nicht minder.“

„Es ist mir genug,“ erwiederte Louise, „daß ich es aus Ihrem Munde höre; aber ist die Sache deßhalb nicht minder unangenehm? Was denkt der Mann? Er weiß, er schreibt mir da selbst, daß mein Oheim erst kommen wird, daß ich folglich allein hier bin, und setzt mir doch nur vierzig Tage. Wer steht mir gut, daß der Capitän bis dort angekommen ist? wahrhaftig, eine Verdrießlichkeit um die andere kommt mir über den Hals.“ Nun glaubte Antonio, sein neuliches Versehen ohne die mindeste Gefahr wieder gut machen zu können, und sprach: „Beste gnädige Frau, lassen Sie dem Manne seine Grillen, und nehmen Sie die Zahlung gar nicht an. Sie sagen mir, was Sie beyläufig brauchen, ich bring es herüber; Sie stellen es mir nach Belieben zurück, und somit gut.“

„Es ist mir wirklich eine große Gefälligkeit,“ sagte Louise, „wenn Sie mich aus dieser Verlegenheit bringen. Sechs tausend Thaler sind mir genug.“ „Mit Vergnügen!“ fuhr Antonio fort; „Sie schicken morgen früh Ihren Mogrobejo, mit einem Paar Zeilen zu mir hinüber, und empfangen die Summe.“ „Ich bin Ihnen wirklich Dank schuldig,“ sagte Louise, drückte ihm die Hand, und hieß ihn auf das Zwischenspiel nicht vergessen. Er ging fort, und so innigst vergnügt sie war, daß er an die Angel gebissen, so vergnügt war auch er, daß er sein Capital auf so angenehme Zinsen, wie er hoffte, anlegen konnte. Er wartete den nächsten Morgen nicht einmahl ab, daß Mogrobejo das Geld abzuhohlen komme, sondern machte es zusammen, und schickte Leonardo mit seinem Morgengruße und der Summe hinüber, ohne zu bedenken, wie viel Gefahr das bare Geld in den Händen eines Poeten laufe. Louise war über seine Pünctlichkeit ganz entzückt, und drückte Leonardo ein ansehnliches Trinkgeld in die Hand. Auch ließ sie Antonio melden, daß sie die Vorstellung des Zwischenspiels denselben Abend in ihrem Hause wünsche; daß sie alle Anstalten dazu treffen werde, und ihn unausbleiblich zu sehen hoffe. Nun lud sie auch die zwey Mitschwestern bey ihrer neuen Unternehmung, und ihre Mutter zum Schauspiele. Es war Abend; der Saal war prächtig beleuchtet, und mit dem angenehmsten Wohlgeruche durchräuchert, und der Genueser war mitten unter den Damen so gelagert, daß er bequem mit jeder sprechen konnte.

Es ward Stillschweigen gebothen, und drey Tänzer traten mit Guitarren auf, und spielten eine sehr artige Sarabande. Als diese zu Ende war, erschien Leonardo allein, in einer seltsamen Tracht, die er sich selbst aus den buntesten Stücken Stoff zusammen gekünstelt hatte, und sprach einen Prolog, in dem er den Zuhörern ganz sanft unter die Nase rieb, daß er der Verfasser sey; daß er dieses Stück Arbeit, ohne zu prahlen, für eines der witzigsten und originellsten Producte seines Geistes halte, und daß es den Titel führe: Der Commissarius von Figueras.

DER
COMMISSARIUS VON FIGUERAS.

EIN ZWISCHENSPIEL.

ERSTER AUFTRITT.

(Der Commissarius mit einem langen weißen Stabe, einem schwarzen Unterkleide, einem Mantel darüber, und einer gefärbten Kräuseschlafhaube. Der Wirth.)

Commiss. Ja werther Freund, dem Geschäfte hat