„Lassen Sie hören!“ —

„Leonardo hat mehrere junge Freunde, Leute von Talenten, mit deren Bildung und Unterricht in verschiedenen Dingen er sich immer abzugeben pflegt; mit diesen soll er uns nun in ein Paar Tagen das Zwischenspiel in meinem Hause aufführen. Es soll niemand dabey seyn, als Sie, Ihre Gesellschafterinnen und ich; und gegen diese Art es zu sehen, wird auch Ihre pünctlichste Vorsicht nichts einzuwenden haben.“ Unter diesen Bedingnissen nahm sie seinen Antrag an, und schlug ein. Sofort sprachen sie von verschiedenen anderen Dingen, und da denselben Tag die Post aus Andalusien ankam, fragte sie ihn, was er wohl Neues aus Sevilla höre. Er antwortete, daß er nichts von Belange höre, und daß seine Briefe immer nur trockene Geschäfte enthielten. „Ich habe heute,“ fuhr sie fort, „diesen Zettel von einem Genueser erhalten, der mit meinem Vetter in Indien im Briefwechsel steht; lesen Sie ihn zur Güte: ich möchte gar zu gern wissen, ob Sie ihn, und die Person, an die der Brief gerichtet ist, kennen.“ Er gab sich alle Mühe, ihn ohne Augengläser zu lesen, und las:

„Ich habe vom Capitäne Bolea den Auftrag erhalten, Euer Wohledlen, nebst unterthänigstem Gruß, zu melden, daß selber seine Abreise so geschwind’ als möglich beschleunigen wird. Er befiehlt mir zugleich, Euer Wohledlen acht tausend Thaler abzuliefern, als weßwegen beyliegender Brief die Anweisung enthält; mich empfehlend, und meine Dienste auch in wichtigen Gelegenheiten antragend.

E. W.

Carlo Grimaldi.

Im Zettel lag der Brief:

„Herr Juan Baptista Lomelie beliebe an Donna Angela de Bolea, am Hofe anwesend, acht tausend Thaler in Doppelgeld auf vierzig Tage verabfolgen zu lassen, wofür ich eben so viele vom Capitäne Don Genealo Bolea, ihrem Oheime, empfangen habe.

Sevilla, den 12. September 1630.

Carlo Grimaldi.