Es mußte denn ein neuer Plan angelegt werden. Mogrobejo hatte jemahls, bevor er es bis zum Stallmeister gebracht hatte, als Schreiber bey einem Sachwalter gedient, und hatte sich da die einer Gerichtsperson unentbehrliche Geschicklichkeit, jede Handschrift täuschend nachzuahmen, beygelegt. Diesem befahl nun Louise, die Firma irgend eines der bekanntesten Genueser zu Sevilla nachzuahmen. Um dieß nun ins Werk setzen zu können, mußte er in einem von den Kaufmannshäusern, von welchem Briefe abgeschickt wurden, Bekanntschaft machen. Es gelang ihm auch bald, und er war mit einem Buchhalter bald so vertraut, daß er ihn täglich auf seiner Schreibstube besuchte. Nach wenigen Tagen sah er einen Brief, wie er ihn wünschte. Er war von Carlo Grimaldi, dem reichsten Genueser in Sevilla. Der Buchhalter war mit seiner Arbeit beschäftigt, und Mogrobejo benutzte diese Gelegenheit, um den Brief so geschickt nachzuschreiben, daß es schwer fiel, die echte Schrift von der nachgemachten zu unterscheiden. Er eilte nun freudig nach Hause, und Louise beschenkte ihn im vorhinein mit dreyßig Escudo’s.

Als sie Antonio den folgenden Tag besuchte, fand er sie eben mit einer Menge Geldes beschäftigt, das ihr Feliciane, die unterdessen einen Ring zu Gelde gemacht, vorgestreckt hatte. „Erlauben Sie,“ sagte sie, „daß ich nur erst ein kleines Geschäft abthue.“ Sie machte tausend Reale in eine Rolle zusammen, und rufte Mogrobejo. „Hier, nehm’ er,“ sagte sie; „ich lasse mich dem Hausherrn empfehlen, und hier schick’ ich ihm gegen Quittung den ganzen Jahreszins. So hat es doch ein Mahl ein Ende.“

Nun fühlte Antonio erst, wie unartig und unverzeihlich es von ihm gewesen sey, einer Dame von solchem Rang’ und Vermögen nicht sogleich all sein Hab’ und Gut anzutragen. Indessen war es nun einmahl geschehen, und es blieb ihm nichts übrig, als daß er sein Versehen wieder gut zu machen suchte. Das erste, was ihm beyfiel, war ein Antrag, sie in die Komödie zu führen. Der Zufall wollte, daß man denselben Tag gerade ein Zwischenspiel aufführte, das sein Leonardo verfaßt hatte, und das ihm nun allerdings einen Vorwand zum Antrage gab. „Wahrhaftig,“ sagte Louise, „ich wäre gar nicht abgeneigt, hinzugehen; denn, wie ich schon neulich aus Leonardo’s Gesang’ abgenommen habe, ist er ein aufgeweckter Geist, und hat lustige Einfälle.“

„Über dieß,“ erwiederte Antonio, „verdient auch das eigentliche Stück selbst, gesehen zu werden. Es ist die adelige Küchenmagd von unserm berühmten Lope de Vega.“

„Ja, wir gehen,“ sagte Louise; „aber halt! was bin ich doch für eine Thörinn? Meine Kleidung und das Theater! Es würde trefflich zusammen passen!“

„Seyn Sie doch nicht so strenge; was Ihnen auch Ihr Kleid verbiethen würde, erlaubt Ihnen Ihr Alter. Eine junge, schöne Wittwe! — Gerade Sie müssen sich ja zerstreuen und aufheitern.“

„Aber was würde die Welt sagen?“

„Die Welt! die Welt! Sie sind auch gar zu genau. Was nennen Sie die Welt? Die Leute! — gut! die Klugen werden es klug finden, daß Sie sich nicht einkerkern, wie eine Nonne, und Ihrem Kummer durch die Einsamkeit noch Nahrung geben; und um die Narren werden Sie sich wenig bekümmern. Auch läßt sich ein Kleid ablegen.“

„Wenn ich auch dieß einzige Mittel ergreifen wollte, zu dem so viele andere junge Wittwen ihre Zuflucht nehmen, so kann ich es doch um meines Oheimes willen nicht wagen, der ein Erzgrübler ist. Ich erwart’ ihn mit jeder Stunde, und stehe mit ihm in solchen Verhältnissen, daß ich sehr unklug seyn würde, wenn ich seine Freundschaft um einer Kleinigkeit willen auf’s Spiel setzen wollte.“

„Vortrefflich, klug, und schön gesprochen!“ sagte Antonio; „aber mir fällt eine Art ein, wie Sie das Zwischenspiel sehen können, ohne in’s Theater zu gehen.“